https://www.faz.net/-gqz-6piff

Rezension: Sachbuch : Lesen Sie sich den Sänger doch erst einmal an

  • Aktualisiert am

Ich habe eine Probe zwischen Buchdeckeln da: Jimmy Webbs Epos vom Liederschreiben darf in keiner gebildeten Plattensammlung fehlen

          Frank Sinatras ureigenster Biotop waren Lieder aus den sogenannten goldenen und silbernen Jahren des Great American Songbook, im Idealfall anspruchsvolle, aber doch einprägsame Melodien auf geistreiche, aber auch die südlicheren Regionen ansprechende Texte, vorwiegend von Tom Adair, Harold Arlen, Irving Berlin, Johnny Burke, Irving Caesar, Sammy Cahn, Hoagy Carmichael, George & Ira Gershwin, Mack Gordon, Oscar Hammerstein, E.Y. Harburg, Lorenz Hart, Gus Kahn, Jerome Kern, Frank Loesser, Ruth Lowe, Johnny Mercer, Cole Porter, Leo Robin, Richard Rodgers, Billy Strayhorn, Jule Styne, Jimmy Van Heusen, Harry Warren, Alec Wilder oder Vincent Yourmans; auch das Ehepaar Bergman, Michel Legrand, Henry Mancini und Johnny Mandel ragten noch aus dieser Periode in die spätere Zeit hinein (diese Ehrentafel könnte und sollte im übrigen noch um etliche Namen ergänzt werden). Was Ol' Blue Eyes zu Rock und Beat zu sagen hatte, erinnerte fatal an Dagobert Ducks Wehruf über die "heiße Musik" des berühmten Bongotrommlers Bob Trott: "Entsetzlich! Wie ich in der Klavierstunde den ,Fröhlichen Landmann' gespielt hab', hat man unter Musik noch etwas anderes verstanden." (Nur waren seine Äußerungen zum Teil noch weniger diplomatisch formuliert.) Aber der Chairman of the Board besaß doch die innere Größe anzuerkennen, daß auch in der nachrückenden Generation wiederum einige höchstbegabte Autoren herangewachsen waren, und so nahm er neben manchem von ihm selbst so empfundenen Trash auch Lieder von Peter Allen, David Gates, George Harrison, Paul McCartney, Joni Mitchell und Paul Simon auf. Eine ganz besondere Wertschätzung empfand Sinatra indes für Jimmy Webb.

          Und wenn jemand aus der Beatles-Generation als Fortführer, ja Vollender besagter Tradition anzusprechen ist, dann in der Tat dieser geniale Komponist und nicht minder begnadete Textdichter aus Oklahoma. Webb ist eine jener ganz seltenen veritablen Doppelbegabungen vom Rang eines Cole Porter oder - diese freilich auf einem anderen künstlerischen Gebiet - Carl Barks und Wilhelm Busch; mancher Leser mag auch noch Gustave Charpentier, E.T.A. Hoffmann, Henry Mancinis akademischen Lehrer Ernst Krenek oder Richard Wagner hier einordnen wollen. 1946 als Sohn eines Baptistenpfarrers geboren und dank seiner Mutter schon früh mit einer soliden klassischen musikalischen Ausbildung versehen, war Webb gegen Ende der sechziger Jahre, kaum dem Teenageralter entwachsen, wenn nicht der kommerziell erfolgreichste, so jedenfalls der einfalls- und einflußreichste Songwriter.

          Weitere Themen

          Hakuna Matata Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Der König der Löwen“ : Hakuna Matata

          25 Jahre nach dem Original kommt „Der König der Löwen“ als Neuverfilmung zurück in die Kinos. Die Tricktechnik überwältigt, doch der Spagat zwischen Königsdrama und Tierdoku will nicht so ganz gelingen.

          Das Mädchen vom Strand

          Muse des Bossa Nova : Das Mädchen vom Strand

          Helô Pinheiro ist das „Girl From Ipanema“. Durch das Lied ist sie berühmt geworden. Zu verdanken hat sie das dem jüngst verstorbenen João Gilberto, dem Vater des Bossa Nova.

          Topmeldungen

          CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer

          Kritik an AKK : „Eine Zumutung für die Truppe“

          Aus der Opposition gibt es heftige Kritik an der Ernennung von Annegret Kramp-Karrenbauer zur Verteidigungsministerin. Kanzlerin und Union würden die „gebeutelte Bundeswehr“ für Personalspielchen missbrauchen, beklagt die FDP.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.