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Rezension: Sachbuch : Kurzatmiger Versuch einer Demontage

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Aus dem Chor der Huldiger auszubrechen, das scheint bei Muhammad Alis Geburtstag geradezu geboten. Wer wollte nicht den Blick freilegen auf das andere Gesicht eines Box-Idols? Im Untertitel nennt der Kölner Journalist und Politikwissenschaftler Markus Jodl sein aktuelles Buch "Muhammad Ali: Black Superman?" den "Versuch einer Demontage".

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          Aus dem Chor der Huldiger auszubrechen, das scheint bei Muhammad Alis Geburtstag geradezu geboten. Wer wollte nicht den Blick freilegen auf das andere Gesicht eines Box-Idols? Im Untertitel nennt der Kölner Journalist und Politikwissenschaftler Markus Jodl sein aktuelles Buch "Muhammad Ali: Black Superman?" den "Versuch einer Demontage". Doch sein Ansinnen bleibt kurzatmig. Die jüngst vor allem im angelsächsischen Raum betriebene Entzauberung eines Mythos deutet der Autor bloß an. Die Biographie ist flockig, unterhaltsam zusammengeschrieben. Allerdings wartet man Seite um Seite auf die Reflexion, die Rückbesinnung auf die Eingangsfrage: Welche Umstände, welche Charakterzüge der Figur eines großen Champions machten aus ihm einen "Narziß", einen "Provokateur, Rassisten, Opportunisten und Chauvinisten"? Brav nacherzählt werden die Kämpfe und ihre Begleitumstände. Abgesehen von der neuen Mischung bekannter Versatzstücke aus vorhandenen Biographien fehlt ein Mehrwert in Jodls Buch. Ärgerlich ist die Form. Mit seinem bleiernen Blocksatz ohne Grafiken oder Illustrationen und nur dürftigen Quellenangaben wirkt der Band wie ein eilig hektographiertes Pamphlet. Erst das thesenartige Schlußkapitel erinnert an die selbstgestellte Aufgabe einer Demontage. Das Eingeständnis des Autors entlarvt die Beliebigkeit in seinem Unterfangen: "Jeder kann Muhammad Ali für seine Zwecke deuten."

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          Markus Jodl: Muhammad Ali: Black Superman? Versuch einer Demontage. CME-Verlag Hürth, Januar 2002. 12,73 Euro, 144 S. ISBN 3-8311-3093-0.

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