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Rezension: Sachbuch : Kunst entlang der Achse Dresden-Paris

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Die Geschichte der Galerie Arnold: Ludwig Wilhelm Gutbiers Verdienste und Versagen

          Obwohl ihre Meriten jemandem, der sich je mit der klassischen Moderne beschäftigt hat, eigentlich kaum entgehen konnten, gab es bislang keine umfassende Geschichte der auf das Jahr 1818 zurückgehenden Dresdner Galerie Ernst Arnold. Dabei war sie eine der traditionsreichsten, längstlebigen und wichtigsten deutschen Kunsthandlungen. Weit über Sachsen hinaus, und vor allem im Zeitraum zwischen 1893 und 1914 eine entscheidende Vermittlungsinstanz neuerer Kunst, fanden viele ihrer Ausstellungen und Aktivitäten selbst im Ausland Beachtung.

          Im Mittelpunkt der aufwendigen Studie, mit der Ruth Negendanck promovierte, steht Ludwig Wilhelm Gutbier (1873- 1951), jener Leiter der Galerie, der ihre Geschichte in den entscheidenden Jahren bestimmte. Der gebürtige Dresdner trat 1891 in die väterliche Kunsthandlung ein. Die alteingesessene Firma hatte sich mit Kopien und Stichen, 1868 auch schon mit Fotografien nach Gemälden, einen Namen gemacht. Während das Interesse von Adolf Gutbier vornehmlich Reproduktionen italienischer Malerei galt, brachte Sohn Ludwig frischen Wind: "Im väterlichen Geschäft war bei meinem Eintritt kaum ein Original vorhanden", erinnerte er sich. Das sollte sich ändern: Er richtete von 1893 bis 1948 exakt 350 Ausstellungen aus.

          Nach einem abgebrochenen Studium auch der Kunstgeschichte und vielen Studienreisen - darunter ein anderthalbjähriger Aufenthalt in London, Reisen nach Brüssel und Paris - hatte sich Gutbier junior zum Liebhaber zeitgenössischer Kunst entwickelt und holte zunächst Münchner Secessionisten in seinen Kunst-Salon. Früh lernte er maßgebliche Persönlichkeiten des Kunstlebens kennen - darunter Alfred Lichtwark, Henry van de Velde und Julius Meier-Graefe -, und früh sorgte er auch für eine deutsche Premiere. In Kooperation mit dem aus Hamburg stammenden, in Paris fernöstliche Graphik propagierenden Siegfried Bing zeigte er 1896 erstmals japanische Holzschnitte in einer Verkaufsausstellung: Hiroshige, Hokusai und Utamaro hielten Einzug ins Elbflorenz. Bei weiteren Projekten in Paris hatte Gutbier volle Terminkalender, besuchte morgens Puvis de Chavannes in seinem Atelier und ging abends zu Zola.

          Die Achse Dresden-Paris gewann Kontur, ohne daß Gutbier deutsche Kunst - darunter neuestes Kunstgewerbe - oder auch die Engländer vernachlässigt hätte. Doch die Konkurrenz schlief nicht, und Gutbier begrüßte es kaum, daß im gar nicht so fernen Berlin Bruno und Paul Cassirer 1898 eine Galerie eröffneten, deren Programm sich mit dem seinen zu überschneiden drohte. Cassirers waren ihm zuvorgekommen, indem sie von Anfang an französische Impressionisten zeigten, und gaben sich ihm bei einer Begegnung "saugrob als ich nur einen Ton sagte". Doch mit der Ausstellung, die Gutbier 1899 Monet, Morisot, Renoir, Signac und anderen Modernen widmete, lag er vorerst wieder vorn. Sie gilt als umfassendste Impressionismus-Ausstellung, die bis dahin in Deutschland gezeigt wurde. Finanziell kein Erfolg, wurden ihre Exponate von der sächsischen Königin bei einer Vorbesichtigung gar als "scheußlich" verdammt. Nach und nach zeigte Arnold dann trotzdem die postimpressionistische Avantgarde: darunter Seurat und van Gogh, 1906 Gauguin und auch schon Matisse und Manguin. Später konnte er behaupten, alles Entscheidende gezeigt zu haben, doch bedauerte: "Die einzige Ausnahme bildete hierbei eine Gesamtausstellung von Cézanne."

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