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Rezension: Sachbuch : Klug ist der Schlaf, töricht sind die Träume

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Wie man mit einer zweistündigen Siesta eine Stunde Arbeitszeit sparen kann

          Jeder von uns kennt einen militanten Nichtraucher, der keine Gelegenheit verstreichen läßt, uns über die Gefahren des indianischen Krauts zu belehren. Natürlich haben diese Leute recht, aber auf die Nerven gehen sie uns trotzdem. Stanley Coren ist auch aus diesem Holz geschnitzt, nur hat er ein anderes Lieblingsthema. In seinem Buch "Die unausgeschlafene Gesellschaft" geht es um die schädlichen Auswirkungen eines Mangels an Schlaf.

          Coren ist Psychologieprofessor an der Universität Vancouver. Er vertritt die Theorie, daß in unseren westlichen Industriegesellschaften im Durchschnitt zu wenig geschlafen wird. Dadurch leidet die Qualität unserer Arbeit, es gibt mehr Unfälle, und unter dem Strich ist ein Nachteil für die Volkswirtschaft zu konstatieren. Beim Rauchen konnte man die Schädlichkeit mit Statistiken beweisen, auch wenn einige hartgesottene Vertreter der Zigarettenindustrie sie immer noch abstreiten. Beim chronischen Schlafdefizit ist die analoge Forschungsarbeit noch weitgehend zu leisten. Wenn Coren mit seinen Vermutungen recht hat, müssen wir aber von einem Problem ausgehen, das von der Größenordnung her etwa mit dem Alkohol- oder Nikotinmißbrauch vergleichbar ist.

          Bis vor wenigen hundert Jahren haben wir Menschen nachts hauptsächlich geschlafen. Das stimmt insbesondere, wenn man beide Bedeutungen des Wortes "schlafen" zuläßt. Als Augentiere sind wir tagsüber aktiv, seinerzeit taten wir gut daran, uns in der Dunkelheit in unsere Hütten zurückzuziehen, wo wir vor den Bären geschützt waren und uns gegenseitig wärmen konnten. Dann wurden die Tranfunzel, der Farbfernseher und die Disco erfunden. Das führte zu einer radikalen Änderung unserer Lebensgewohnheiten. Unsere durchschnittliche Schlafzeit hat sich um mehrere Stunden reduziert. Wir schlafen weniger, als die Natur für uns eingeplant hat. Und weil sich das alles vor relativ kurzer Zeit abgespielt hat, konnte die Evolution noch nicht darauf reagieren.

          Schlafen für die Volkswirtschaft

          Es ist offensichtlich, daß extremer Schlafentzug schädliche Folgen haben kann. Wer jemals am Steuer eingeschlafen ist, weiß, wovon wir reden. (Natürlich nur, wenn er dieses Ereignis überlebt hat.) Aber darum geht es Coren eigentlich gar nicht. Vereinfacht ausgedrückt, ist seine Botschaft, daß wir am Tag eine Stunde länger schlafen und dafür eine Stunde weniger arbeiten sollten. Das würde erstens unsere Lebensqualität und zweitens das Bruttosozialprodukt steigern. Die Zusammenhänge sind zu komplex, als daß ein einzelner Forscher in der Lage wäre, endgültige Ergebnisse vorzulegen. Corens Buch kann deshalb auch nur präparatorisch sein. Wir lernen viel über den normalen und den gestörten, über den verkürzten und den verlängerten Schlaf. Anekdoten sollen den Leser wachhalten.

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