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Rezension: Sachbuch : Kies, Eier, Koks, Kröten, Moos - Geld eben

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Sie ziehen alle Register und schwelgen in Symphonien des Geldes - die Bücher, die Kindern erklären wollen, wie sie mit der Umstellung auf den Euro und mit Geld im allgemeinen zurechtkommen sollen. Dabei versteigen sie sich bisweilen zu haltlosen Vermutungen: "Nichts läßt das Herz momentan noch höher schlagen ...

          Sie ziehen alle Register und schwelgen in Symphonien des Geldes - die Bücher, die Kindern erklären wollen, wie sie mit der Umstellung auf den Euro und mit Geld im allgemeinen zurechtkommen sollen. Dabei versteigen sie sich bisweilen zu haltlosen Vermutungen: "Nichts läßt das Herz momentan noch höher schlagen als das unverwechselbare Knistern eines jungfräulichen Geldscheins oder das Klingeln eines Haufen Münzen", will Bernard Lietaer wissen. Aber er hat ohnehin seltsame Ideen in seinem durchaus spannenden Buch: etwa eine Währung namens Terra. Gut, in der lateinischen Bezeichnung für die Welt, die Lietaer als Bezeichnung seiner neuen Geldart vorschlägt, ist ein universeller Anspruch zu spüren, während der Euro schon durch seine Benennung außereuropäische Interessenten abschrecken könnte. Lietaer, belgischer Währungsexperte mit Hang zu apokalyptischen Szenarien, will damit eine Währung schaffen, die nicht länger diejenigen begünstigt, die Geld horten. Also soll der Wert von Terra an Güter gebunden sein, und da diese Güter Lagerungskosten verursachen, muß man für jede Terra, die man besitzt, monatlich eine kleine Gebühr zahlen. Deshalb, so stellt Lietaer sich das vor, werden alle bemüht sein, ihr Geld so schnell wie möglich auszugeben, und dadurch floriert die Wirtschaft.

          Neu ist diese Überlegung nicht, frühere Geldtheoretiker sprachen bei dieser Art von Währung von "Schrumpfgeld". Es gibt gute Gründe, warum alle diesbezüglichen Versuche bislang gescheitert sind - vor allem den, daß ein negativer Zins, wie die Terra ihn einführen würde, dieselben Probleme macht wie der normale positive, nur umgekehrt. Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist eben nicht alles. Lietaer verschweigt das, und überhaupt ist seine "Welt des Geldes" nicht das "Aufklärungsbuch", als das er selbst es bezeichnet, sondern mehr ein Indoktrinationsbuch. Da ist der Ratgeber mit dem modischen Titel "Money" deutlich sachlicher, zumal er die schöne Geschichte erzählt, daß aus unseren alten Markscheinen nach der Euro-Einführung unter anderem Ziegelsteine hergestellt werden sollen.

          Das ist immerhin mal was Neues, während ansonsten alle Bücher die immer gleichen Fakten umwälzen: Geschichte des Geldes, Euro-Umstellung, Aktienhandel. Und natürlich Tips zum Geldverdienen und -sparen. Der beste Tip diesbezüglich aber muß lauten: Hände weg von "Warum heißt der Euro Euro?" Vierhundert Fragen sollen in diesem Ratespielbuch beantwortet werden, doch schon die allererste, die ich zufällig aufschlage, lautet: "Welches Sprichwort bedeutet, daß man kein Geld besitzt?" Antwortmöglichkeiten: a) keinen Hehl aus etwas machen, b) keinen Deut besser sein, c) keinen roten Heller haben. Die Auflösung laut Buch: c. Und auf derselben Seite wird als Synonym für geizige Menschen "Wichtigtuer" angegeben (obwohl "Pfennigfuchser" unter den Lösungsvorschlägen ist). Also weg mit dem Tinnef, Geld gespart.

          Der rote Heller wird übrigens rehabilitiert in "Max macht Mäuse". Dafür enthält das Buch unter dem Copyright-Vermerk (den erklärt übrigens kein einziges der Bücher, obwohl er viel mit Geld zu tun hat) den Satz: "Die Autorin und der Verlag sind in keinster Weise verantwortlich . . ." Halt! Gute Güte, wie will man Kinder zum Geldverdienen anleiten, deren Sprache man verdirbt? "In keinster Weise", das ist Juristenlatein, Jargon einer Berufsgruppe, die zwar gut bei Kasse, aber schlecht bei Zunge ist. Und nicht jeder Max wird Anwalt werden können.

          ANDREAS PLATTHAUS

          Bernard Lietaer: "Die Welt des Geldes". Das Aufklärungsbuch. Aus dem Flämischen übersetzt von Sylvia Schneider. Arena Verlag, Würzburg 2001. 153 S., , geb., 34,- DM. Ab 14 J.

          Georg Milde, Philipp Mißfelder: "Money". Alles über Geld von Aktien bis Zinsen. Ravensburger Verlag, Ravensburg 2001. 128 S., br., 24,80 DM. Ab 12 J.

          "Warum heißt der Euro Euro?" Über 400 Fragen & Antworten zum Thema Geld. Ravensburger Verlag, Ravensburg 2001. 80 Karten, spiralgeb., 16,80 DM. Ab 6 J.

          Birgit Neiser: "Max macht Mäuse". Der Geld-Ratgeber für Kinder. Moses Verlag, Kempen 2000. 144 Seiten, geb., 24,80 DM. Ab 8 J.

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