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Rezension: Sachbuch : Hätte Emilie sich doch eine Arbeit gesucht

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Katharina Rutschky macht Theodor Fontane postum glücklich, aber nicht jeden Neandertaler

          4 Min.

          "Was will das Weib?" Eine drängende Frage, die Sigmund Freud aufwarf, die aber nun - so Katharina Rutschky - von dreißig Jahren des modernen Feminismus zu Tode geritten sei. Zu ihrem Bedauern: unbeantwortet. Die Klientel wende sich ab. Frau und Mann gehen ihre privaten Wege durch die Ungerechtigkeiten des Lebens, unbeeindruckt von den gesellschaftlichen Entwürfen, der wissenschaftlichen Kompetenz und solidarischen Hilfe des Feminismus mit seinen mittlerweile in Staat und Bürokratie assimilierten Organen von Frauenministerien, Gleichstellungsbeauftragten, akademischen "gender studies", öffentlichen Beratungsstellen.

          Rhapsodisch plaudert Katharina Rutschky sich durch Geschichte und Gegenwart der Frauenbewegung: Die Bestandsaufnahme der Errungenschaften nivelliere sich auf Null. Was der öffentlich wirksame Feminismus propagiere, sei jedenfalls nicht im Interesse der Frauen. Die Beratung neige zur totalitären Bevormundung, die feministische Wissenschaft tauge kaum mehr zur Satire, die Beiträge der feministischen Literatur changierten zwischen Schmonzetten und esoterischem Unsinn, und auch wenn man die Vorteile einer Quotierung gerne einstecke, würde keine Karrierefrau sich dies auf ihre Fahnen schreiben. Selbst für den klugen Umgang mit Männern sei in den lebensfernen Theoriegebilden engagierter Frauen nichts zu holen. Statt ehrlicher Auseinandersetzung nur kindische Provokation.

          Abhilfe sei nicht in Sicht, von Männern und Politikern sowieso nicht - für Rutschky allerdings bloß wegen deren Gewohnheit, mit Rücksicht auf den Sexualtrieb beziehungsweise die Wähler Frauen unbesehen alles durchgehen zu lassen. Frau Rutschky trampelt querbeet durchs politisch Korrekte und hat offensichtlich großen Spaß bei ihrer Abrechnung. In bissiger Lebensfreude zerreißt sie ihr letztes Gängelband, die feministische Bemutterung, und trampelt querbeet durchs politisch Korrekte.

          Das erklärte Anliegen ihres Buchs, die Reform der bestehenden Frauenbewegung, "damit die Sache der Frauen wieder zu ihrem Recht kommt", kann sich unter der ständigen Bedrohung durch ihre Lust am flapsig-fröhlichen Tiefschlag allerdings nur mühsam entfalten. Schon ihre Wortwahl setzt sie in eine rhetorisch unkluge Ausgangsposition für die sachliche Überzeugungsarbeit bei den Vertreterinnen sowohl des "hysterisch-pädagogischen" wie des "kriegerisch-aggressiven" Flügels der Frauenbewegung. Ihr Beweis, daß Vernunft und berechtigtes Interesse sich nicht mit dem unreifen Mittel der Provokation durchsetzen lassen, gelingt allenfalls indirekt, wobei sie die eigentliche Pointe gar nicht erwähnt: Katharina Rutschky wird tatsächlich des Hochverrats an ihrem Geschlecht bezichtigt, randalierende Gruppen unterbinden ihre Vorträge in den Universitätsstädten. Die angegriffenen Windmühlen denken nicht an Kapitulation, sondern schlagen zurück. Berühmt wurde Rutschky, als sie vor ein paar Jahren die "Hysterie um den Kindesmißbrauch" anprangerte: Form und Inhalt der öffentlichen Diskussion diene weder der Verbrechensbekämpfung noch der Prävention, sondern befriedige nur die Urinstinkte ängstlich-prüder Spießbürger. Schon damals setzte sie sich Lob und Schelte aus - von falschen Freunden wie von falschen Gegnern.

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