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Rezension: Sachbuch : Graf Zeppelin wurde ausgelacht

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Hermann Sörgel nicht: Er wollte das Mittelmeer trockenlegen

          4 Min.

          Zu den größten Fehlern, die die Alte Welt je begangen hat, gehört, daß sie den Indianern die beiden Amerikas weggenommen hat. Nicht, daß wir an den Mythos vom edlen Wilden glaubten, aber zumindest hätten uns die Rothäute mit Hollywood-Schnulzen, Fleischklopsen in Wattesemmeln und dem Internet-Explorer 4.01 verschont. Es mag zwar 1620 ein kurzfristiger Vorteil gewesen sein, daß wir die Puritaner auf humane Art losgeworden sind, aber dafür müssen wir jetzt jedes Jahr Tantiemen in Millionenhöhe an Michael Jackson überweisen. Auch das Gold der Inkas hat unserer einheimischen Wirtschaft mehr geschadet als genützt.

          Hermann Sörgel (1885 bis 1952), ein bayerischer Diplomingenieur, war offenbar ähnlicher Meinung. Er glaubte, daß Europa auf der einen Seite von Asien, auf der anderen Seite von einem erstarkenden Amerika in die Zange genommen wurde. Damit hätte er sich ja abfinden können. Warum soll man nicht die Stafette den Jüngeren übergeben und sich selbst auf das wohlverdiente Altenteil zurückziehen? Sörgel dachte aber ganz anders. Er wollte noch einmal Lebensraum für die weißen Europäer finden, auf daß sie sich vermehren würden und den Amerikanern und Asiaten Paroli bieten könnten. Erstrebenswert war natürlich Lebensraum in unmittelbarer Nähe der Mutterländer, den man besser kontrollieren kann. Man muß ja denselben Fehler nicht zweimal begehen.

          Sörgels Lösung war von verblüffender Einfalt. Er wollte das Mittelmeer trockenlegen wie gerade erst die Holländer die Zuidersee. Ein Staudamm bei Gibraltar, einer bei den Dardanellen, und fertig ist der Lack. Was an Süßwasser in das Mittelmeer fließt, reicht nicht aus, um das verdunstende Wasser zu ersetzen. Im Laufe der Zeit wäre neben neuem Ackerland so etwas wie das Tote Meer entstanden. Wenn man in Kauf genommen hätte, diesen Prozeß zu verlangsamen, hätte man bei den Staudämmen Wasserkraftwerke errichten können. Dann wäre ein Teil des verdunstenden Wassers ersetzt worden. Dafür hätte man zusätzlich allerbilligste elektrische Energie erzeugt. Zwar wäre es zu einer starken Versalzung des Wassers gekommen, aber Sörgels Vertrauen in die deutsche Ingenieurskunst war so groß, daß er sich sicher war, daß man auch dafür rechtzeitig eine Lösung gefunden hätte.

          Europa und Afrika wären zu einem Kontinent zusammengewachsen. Diesen wollte Sörgel "Atlantropa" nennen. Die Welt wäre dann unter den "drei großen A" Asien, Amerika und Atlantropa gleichmäßig aufgeteilt gewesen. Für das ehemalige Afrika gab es noch zusätzliche Pläne. Die Sahara sollte durch Verbindung mit dem Mittelmeer eine künstliche Seenplatte erhalten. Nach der erfolgten Absenkung des Mittelmeers wäre diese unter Zuhilfenahme des Gibraltarkraftwerks mit Wasser versorgt worden. Weiterhin waren ein künstliches Kongo-Binnenmeer und ein erweiterter Tschadsee vorgesehen. Dies hatte zwei Gründe: Zum einen erhoffte man sich eine bessere Bewässerung durch mehr Regenfälle, zum anderen wollte man ein Klima schaffen, das auch für Europäer geeignet war: "Wenn die Weißen Afrika auf Dauer organisieren wollen, so darf die Überzahl der Schwarzen nicht zu groß werden. Also besteht ein Interesse, Gegenden zu vernichten, wo nur der Schwarze allein leben kann. Die Eingeborenen des tieferen Beckenteils sind Pygmäen, primitive zwergwüchsige Völker, zum Teil Menschenfresser." So äußerte Sörgel sich anno 1951 in einer Veröffentlichung über das "Kongomeer".

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