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Rezension: Sachbuch : Fiebrige Freiburger

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Die Fußball-Utopie

          cei. Wie kurz die Halbwertzeit von Fußballträumen sein kann, zeigt das Vorwort zum schwarz-rot gestreiften "Freiburg-Fieber". Trainer Volker Finke schreibt: "Fußball ist ein Spiel. Warum sollen wir nicht versuchen, den Traum am Leben zu halten? Absurd ist er, lächerlich, tragisch und dramatisch, unwichtig und faszinierend." Fußball-Utopie, wie sie im Buche steht - auf dem Platz ist nur noch Abstiegskampf. Was der Bundesliga entginge, wenn ihr ungewöhnlichstes Mitglied wieder in der Versenkung verschwände, das beschreibt dieses "Lesebuch zum SC Freiburg" auf manchmal selbstverliebte, aber sympathische Weise. Das Verdienst des Herausgebers Dietrich zur Nedden, der mit Finke einst aus Niedersachsen nach Südbaden kam und dort im ersten Bundesligajahr Pressesprecher war, besteht darin, auch die bundesweite Medienkarriere des SC Freiburg ironisch zu beleuchten. Sie begann übrigens, am 21. März 1992, mit einem Artikel in dieser Zeitung, und rasch wurden die Bestandteile dieser Geschichte - Trainer mit Selbstgedrehter und Ohrring, Stürmer mit Studium, Präsident am Videotext - zu einem neuen Klischee gekleistert. Da erstand die Utopie eines neuen "linken" Fußballs, nachdem Netzers Nachfahren in Mönchengladbach den Kapitalisten Effenberg kauften. Da zauberten die "Breisgau-Brasilianer" in jener "undeutschesten" deutschen Stadt - eine Darstellung, der Michael Quasthoff im abschließenden Beitrag des Buches entgegenhält, "mit welch urdeutschem Fanatismus der Freiburger Körner kaut, nicht raucht und reizende Frauen in Gesundheitsschuhe und Beziehungsgespräche zwingt". Sein Fazit: "Der Mythos vom linksalternativen Kickerkollektiv war immer eine schöne Illusion." Schön, wenn aus Illusionen schöne Bücher werden.

          Besprochenes Buch: Dietrich zur Nedden (Herausgeber): "Das Freiburg-Fieber. Ein Lesebuch zum SC Freiburg", Verlag Simader, Frankfurt, 176 Seiten, Fotos, 19,80 Mark.

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