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Rezension: Sachbuch : Evolution von Marx zu Darwin

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Das Missing Link der Philosophie: Peter Singer baut die Linke auf

          Politisch wie philosophisch linkes Denken scheint in einer Krise zu sein: Die nationalen Gewerkschaften haben keine Macht mehr, sogar sozialdemokratische Regierungen unterstützen die Welthandelsorganisation, der Sozialismus ist in seiner sogenannten realen Form gescheitert - an sich selbst und seinen hybriden Versprechungen. So jedenfalls skizziert Peter Singer in seinem jüngsten Büchlein den Ort und das Dilemma der Linken. Die Linke brauche in ihrer Orientierungskrise dringend ein neues Paradigma, das Singer in, wie er glaubt, einem traditionellen Antagonisten des Marxismus erblickt: dem Darwinismus, der, zwischenzeitlich geläutert und von Missverständnissen purifiziert, nun ein menschliches Antlitz entwickelt habe. Kooperation miteinander und Solidarität untereinander seien nämlich auch aus evolutiver Perspektive sinnvoll. Die Zeit sei also gekommen, eine darwinistische Linke zu entwickeln, um dadurch sowohl die alte Linke aus der Sackgasse ihres materialistischen und dennoch naturverachtenden Historismus zu befreien als auch den Darwinismus aus den Klauen rechter Ideologen.

          Auch unser Verhalten, mithin also die Evolution der sozialen Systeme, und nicht nur unsere Physiologie und Anatomie seien durch die biologische Evolution vorgeprägt. Die Linke müsse sich deshalb auf die Suche nach Verhaltensuniversalien machen, um sich selbst neu zu begründen und neu zu verstehen. Man benötigt allerdings kaum Singers darwinistisch aufgeblähtes Theoriegebäude, um zu erkennen, daß die revolutionäre Zerstörung von Hierarchien dazu tendiert, neue Hierarchien hervorzubringen. Diese Einsicht ist so alt, wie sie jedem dialektisch geschulten Interpreten klar sein dürfte. Singers impliziter Anspruch zeigt sich sehr deutlich: Es geht ihm darum, die antihegelianische Attitüde von Marx allererst noch zu vollenden. Dialektisch mutiert der Hegelianismus über Marx und das missing link Darwin zum politisch korrekten Singerismus. Zwischen Natur und Geschichte, Evolution und Gesellschaft klafft kein Graben mehr, Marx und Darwin feiern versöhnt das fröhliche Stelldichein eines "Seid lieb und nett zueinander", wo, mit Hegel, kein Glied nicht trunken ist.

          Singers konsequentialistischer Imperativ der Kooperation, der biologische Arten in gleichem Maße transzendiert, wie er Menschen, die nicht den Idealanforderungen im Überlebenskampf Genüge tun, die Kooperation verweigert - gerade weil er mitleidig beansprucht, kooperativ zu sein -, zeigt sich dabei als Herzstück einer biologistischen Einheitstheorie der Wirklichkeit, die, im verklärten Blick auf Affenethik und Delfinmoral, Altruismus schlicht als Selektionsvorteil zu verkaufen sucht. Von den behinderten, den kranken, den alten Menschen spricht Singer hier allerdings wenig. Daß, wie er immer wieder betont, Menschen nichts denn entwickelte Tiere seien, ein Produkt der Evolution und nichts mehr, bereitet im Gewande der Nettigkeiten den Boden für jenen Reduktionismus, den Singer praktische Ethik nennt und der im Gewande pseudowissenschaftlicher Zukunftserwägungen nur das utopische Projekt des wissenschaftlichen Marxismus fortsetzt. Marx ist tot, und Singer lebt. Was Singers pathetischer Tractatus politico-biologicus dabei mit "links" meint, bleibt allerdings genauso unklar und wässerig wie sein utilitaristischer Eintopf aus Neo-Darwinismus, Marxismus und Tierethik. "Links" sei das Spektrum von Ideen, eine bessere Gesellschaft zu realisieren. Das ist schön - und trivial: Wer und was nämlich ist dann noch liberal, konservativ oder gar rechts?

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