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Rezension: Sachbuch : Einmal um die ganze Welt, aber keine Taschen voller Geld

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Heinrich Horstmanns abenteuerliche Fahrradreise im Jahre 1895 ist auch heute noch spannend zu lesen

          "Meine Radreise um die Erde dürfte in Sportkreisen und auch wohl darüber hinaus so ziemlich bekannt sein", hebt das Vorwort des Buches an, das der deutsche Radtourist Heinrich Horstmann "Mit sportlichem All Heil!" im Januar 1898 in Barmen schloss. Vom 2. Mai 1895 bis 16. August 1897 hatte der zum Zeitpunkt seines Aufbruchs noch Minderjährige die Welt radelnd umrundet. Unklar ist bis heute, ob er auch den zweiten Teil einer 20 000-Mark-Wette gegen fünf Elberfelder Herren gewonnen hat, bei der die mit Sponsoren-Logos bepflasterten Abenteurer unserer Tage sich nur die Augen reiben dürften: Mittellos und ohne Karte wollte er losradeln und mit wenigstens 5000 Mark zurückkommen. Man kann zweifeln, ob es diese Wette überhaupt gegeben hat; ganz Genaues weiß man nicht. An der Radreise aber besteht kein Zweifel: Sie war ein von einer Menge Publizität begleitetes Ereignis, obwohl sie in manchem Detail durchaus widersprüchlich erscheint: Mancher Umstand ist wohl geschönt oder wenigstens zu verschiedenen Zeitpunkten recht unterschiedlich dargestellt worden, wobei man aus dem Abstand rund eines Jahrhunderts öfters die Widersprüche weder ganz versteht noch sie aufzulösen imstande ist. An diese Detektivarbeit hat sich der Mannheimer Technik- und Fahrrad-Historiker Hans-Erhard Lessing als Herausgeber des nur in einem einzigen Exemplar erhaltenen Berichts gemacht. Er hat zum Beispiel einen Zeitungsbericht über ein im Buch mit einem Satz abgetanes Vorkommnis ausgegraben: Von einem Landstreicher in Texas bedroht, erschoss Horstmann den Tramp, was allerdings niemand sonderlich interessierte. In seinem Nachwort, das vor allem bemüht ist, Horstmann als ersten deutschen Weltumradler im Gegensatz zu dem "Ich radle um die Welt" von Heinz Helfgen nach dem Zweiten Weltkrieg zu würdigen, berichtet Lessing auch, was er über den weiteren Lebensweg des Abenteurers herausgebracht hat: Er betrieb in Berlin ein Weingeschäft, später einen Biervertrieb, reiste - wenngleich bequemer - auch später gern und ist 1945 gestorben. Den breitesten Raum nimmt die Schilderung der Durchquerung von Nordamerika auf der südlichen Route ein. Dies ist, wie Lessing zu Recht bewertet, die eigentliche Leistung des Radtouristen. Einen Großteil der übrigen Erdumrundung legte der stets recht flott formulierende Horstmann mit dem Schiff zurück. Weil sich sein Bericht so munter liest, eignet sich das Buch nicht nur für historisch Interessierte.

          HANS-HEINRICH PARDEY

          Meine Radreise um die Erde. Der Bericht des ersten deutschen Fahrrad-Weltreisenden anno 1895. Von Heinrich Horstmann. Herausgegeben und kommentiert von Hans-Erhard Lessing. Verlag Maxi Kutschera, Leipzig, 320 Seiten mit 13 Illustrationen, 39,80 Mark.

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