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Rezension: Sachbuch : Ein Roter in Gelb wie Gott in Frankreich

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Scharpings Tour-Buch

          Die Radprofis machen Jagd auf das Gelbe Trikot, Rudolf Scharping findet zumindest den vin jaune, den gelben Wein - in der Altstadt von Besançon, wohin es den frankophilen Politiker während seiner "Tour de France" verschlagen hat. Der Radsportfreund Scharping erzählt die Geschichte dieses besonderen Weines, schreibt über weitere kulinarische Genüsse, ohne allerdings ins Detail zu gehen. Das ist ein Merkmal dieses Buches: Abrupt wechselt der SPD-Fraktionschef im Bundestag die Themen. Er erwähnt das "Geheimnis des runden Tritts", in seinen Texten gelingt dem Autor aber nicht immer der fließende Übergang. Der sprunghafte Scharping skizziert Landschaften, behandelt daneben Historisches, streut Anekdoten aus dem Radsport ein, versucht, die Arbeit der Rennfahrer zu erläutern. Dazwischen schildert er seine Mühen im Sattel: "Wer hat die Straße an die Wand genagelt?"

          Es ist zuallererst ein Werk, das von sechs größeren Touren und neunzehn Etappen "zum Nachradeln" handelt. Sie führen von Lothringen bis zum Mittelmeer, lassen weder die Pyrenäen noch die Alpen aus. Die Wege sind auf Karten festgehalten. Alle Etappen, behauptet Scharping, könnten auch mit dem Tourenrad zurückgelegt werden - vermutlich aber nur mit außergewöhnlicher Kondition. Eines der ersten Fotos stellt Scharping dar, wie er lässig auf der Kühlerhaube eines Mannschaftswagens des Teams Deutsche Telekom sitzt und mit einem Handy telefoniert. Erläuternd wird auf den Journalisten Scharping hingewiesen. Tatsächlich hatte er im vergangenen Jahr den deutschen Rennstall bei der Tour begleitet, und unter seinem Namen waren in einer Boulevardzeitung Kolumnen erschienen. Der "Fachmann" Scharping hatte mit dem Belgier Walter Godefroot, dem Sportlichen Leiter des deutschen Rennstalls, fahren dürfen. Als der Däne Bjarne Riis damals in einen Sturz verwickelt war und per Funk um Unterstützung gebeten wurde, saß Scharping allein im Auto - hilflos. Davon ist in seinem auf Hochglanz polierten Tour-Bericht nichts zu lesen.

          In Gelb sind Riis und Jan Ullrich zu sehen und einmal auch Scharping. Er steht dabei mit vier Mitstreitern auf dem 2115 Meter hohen Tourmalet. "Auch ein Etappensieg", heißt es, "überhaupt hier angekommen zu sein." Scharpings rechter Daumen zeigt nach oben. Als Radfahrer steht ihm das wohl zu. rse.

          Besprochenes Buch: Rudolf Scharping, Meine Tour de France, Gerstenberg, 159 Seiten mit Farbfotos und Karten, 39,80 Mark.

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