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Rezension: Sachbuch : Ein Jahrhundert wird besichtigt: Die Düsseldorfer Malerschule

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          Die Düsseldorfer Malerschule besaß im letzten Jahrhundert eine weltweite Reputation und einen Einfluß, wie sie erst das Bauhaus wieder erreichte. Die preußisch begründete Akademie war eine liberale Institution. Auf Peter Cornelius, den prinzipienstrengen Gründungsdirektor, folgte der offene Wilhelm Schadow, Sohn des Bildhauers, der seine besten Berliner Schüler - Hübner, Sohn, Hildebrandt, Lessing und später Bendemann - an den Rhein mitbrachte. Schadow organisierte einen effektiven Lehrbetrieb und dehnte das Angebot von der nazarenischen Religions- und Geschichtspoesie auf die Landschaft, das Genre und das Porträt aus. Die Akademie war die Hohe Schule der großen Ideen und Emphasen, über die nationale und religiöse, bald auch soziale Themen bewegt und befördert wurden. Die Düsseldorfer prägten nationale Bildmythen, sie schufen aber auch Programmbilder des Neukatholizismus wie eines fast fundamentalistischen Protestantismus. Sie brachten ferner die aufbegehrende, demokratische Kunst des Vormärz und der Revolutionszeit hervor. Ein dreibändiges Lexikonunternehmen rekonstruiert nun das Jahrhundert dieser überaus wirkungsvollen Schule, an der rund viertausend Künstler gelehrt und gelernt haben. Tausend stellt das Lexikon in monographischen Artikeln dar, weitere Tausend sind im Anhang notiert. Der erste Band erfaßt zentrale Protagonisten wie Cornelius, Bendemann, Bierstadt und Bingham, die beiden Achenbach, Gebhardt oder Eugen Bracht. Wir zeigen ein Düsseldorfer Gründungswerk aus der Zeit um 1815: die klugen und törichten Jungfrauen vom Raffaeliten Cornelius. ("Lexikon der Düsseldorfer Malerschule". Bd. I. Hrsg. vom Kunstmuseum Düsseldorf und der Galerie Paffrath. Bruckmann Verlag, München 1997. 448 S., Abb., 398,- DM.)

          E.B.

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