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Rezension: Sachbuch : Ein bißchen Spaß muß sein

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Aber eine Satire, die alles dürfte, wäre langweilig: Ein ernstes Buch über Staat und Spott

          4 Min.

          Verstehen Sie Spaß? Ja, Sie, lieber Leser. Stellen Sie sich vor, Sie kaufen eine Zeitschrift am Kiosk, und was sehen Sie auf dem Cover: sich selbst, grinsend über den Allerwertesten einer Dame blickend, die rittlings auf Ihrem Schoß sitzt. Eine eindeutige Stellung. Die Brüste hängen. Nacktheit ohne Scham. Die Spitze des Deckels einer im Vordergrund stehenden geblümten Kaffeekanne bohrt sich scheinbar in das feminine Hinterteil. "Ihre Neue" steht unter dem Titelbild. Verstünden Sie diesen Spaß? Und als Leserin? Bärbel Bohley verstand jedenfalls keinen Spaß und klagte gegen den "Eulenspiegel". Eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts machte sie geltend und verlangte Schmerzensgeld. Man einigte sich: Unterlassungserklärung und Schmerzensgeld in Höhe von 20000 Mark. Der Mann unter B. B. klagte nicht. Er ist schließlich der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Helmut Kohl klagt nie in eigener Sache - sondern grinst zufrieden, hat er es doch geschafft, die Symbolfigur der DDR-Bürgerrechtler zu vereinnahmen.

          Dieser Fall und zwei Dutzend andere gerichtsnotorische Satiren der Bundesrepublik sind in dem von Nils Folckers und Wilhelm Solms herausgegebenen Bändchen zusammengestellt: Engholm in der Badewanne, lächelnd ("Titanic") - "Eine Helmut Kohl Produktion: Ossi Park" ("Titanic") - "Eine Erektion dauert nur Minuten. Ein Diamant ist unvergänglich. Viaget. Cock. Der Ring für sein Ding" ("Titanic", angegeben war die Telefonnummer der "Focus"-Redaktion) - "Franzi schwanger!" ("Eulenspiegel") - Böll, "ein steindummer, kenntnisloser und talentfreier Autor. Daß ein derartiger, zum Teil pathologischer, zum Teil ganz harmloser Knallkopf den Nobelpreis erringen durfte, daß Hunderttausende lebenslang katholisch belämmerte und verheuchelte Idioten jahrzehntelang den häufig widerwärtigen Dreck weglasen, ist das nicht alles wunderbar?" (Eckhard Henscheid) - "Spielt Jesus noch eine Rolle?" ("Titanic", Jesus als Klopapierrollenhalter) - und andere mehr.

          Es hagelte Prozesse. Erst Strafprozesse, insbesondere von den Kirchen angestrengt, dann zunehmend und inzwischen vorwiegend Zivilverfahren. Heutzutage geht nicht mehr wie früher der zu diesem Zweck angestellte, im Sinne des Pressegesetzes verantwortlich zeichnende "Sitzredakteur" ins Gefängnis, heute wird gezahlt. Fast immer im Wege des Vergleichs, da die betroffenen, meist am Rande der ökonomischen Existenz witzelnden Satireblätter sich weder die Berufungsinstanz noch den Gang zum eher satirefreundlich judizierenden Bundesverfassungsgericht leisten können. Schließlich ist jeder Fall anders, Justitia unvorhersehbar, ein Risiko stets gegeben, und die Kosten des Verfahrens sind enorm, im Falle des Unterliegens existenzvernichtend.

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