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Rezension: Sachbuch : Die Sternensandbüchse

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Wie die arabische Naturwissenschaft den Himmel auf die Erde holte / Von Friedrich Niewöhner

          Abu Abd Allah Muhammad Ibn Ahmad Ibn Yusuf al-Katib al-Khwarazmi schrieb am Ende des zehnten Jahrhunderts ein Buch zur wissenschaftlichen Terminologie unter dem Titel "Schlüssel der Wissenschaften". Die Wissenschaften teilt er in zwei Gruppen auf: erstens die "Wissenschaften des Religionsgesetzes" und zweitens die "fremden Wissenschaften". Das Adjektiv "fremd" in der zweiten Wissenschaftsgruppe bedeutet nicht, daß der Autor diese Wissenschaften als nicht zum Islam gehörig zurückweist, sondern allein, daß diese von Nichtarabern entwickelt worden sind, von Griechen, Persern und Indern vorzüglich. Zur ersten Gruppe gehören: Jurisprudenz, Theologie, Grammatik, Schreibkunst, Poesie und Geschichte. Zur zweiten Gruppe sind zu rechnen: Philosophie, Logik, Medizin, Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Astrologie, Musik, Mechanik und Alchemie.

          Die hier angezeigte Geschichte der arabischen Wissenschaften behandelt die Wissenschaften der zweiten Gruppe, mit Ausnahme von Philosophie und Logik. Zur Debatte stehen also die Naturwissenschaften im engeren Sinne, diejenigen, die al-Farabi (gestorben 910) als die "mathematischen Wissenschaften" bezeichnet hatte, wobei er die Alchemie durch die Optik ersetzt hatte. Die von Roshdi Rashed herausgegebene "Histoire des sciences arabes" enthält 31 Artikel von 29 Verfassern, und zwar fünf zur Astronomie, drei zur Geographie, drei zur Algebra, zwei zur Optik und je einen zu Arithmetik, Geometrie, Trigonometrie, Musik, Statik, Botanik, Medizin, Technologie und Alchemie. Hinzu kommen zwei Übersichtsartikel zur Entwicklung und zur Klassifikation der Wissenschaften. Eine weitere Studie beschäftigt sich mit den wissenschaftlichen Institutionen, und sechs Arbeiten untersuchen den Einfluß der arabischen Wissenschaften auf das hebräische und das lateinische Schrifttum des Mittelalters.

          Mit wenigen Ausnahmen beschäftigen sich die Verfasser mit arabischen Denkern, die zwischen dem achten und dreizehnten Jahrhundert gelebt haben, so daß das Werk umständlich, aber korrekt betitelt werden könnte als "Die Geschichte der (mathematisierbaren) Naturwissenschaften der Nichtaraber (Griechen, Perser, Inder) im islamisch-arabischen Kulturbereich des Mittelalters bis zirka 1300."

          Diese Titelformulierung läßt sofort zwei Fragen entstehen: Wie verhalten sich "Die fremden Wissenschaften im Islam" (so eine Studie von Helmut Gätje von 1985) zu den "Wissenschaften des Religionsgesetzes"? Und da die Entstehung der letzteren dem Aufkommen der "fremden" Wissenschaften im Islam voranging, die philologische Koranexegese, die Rechtsprechung (fiqh) und die Bemühungen um die Prophetenüberlieferung (hadith) die Voraussetzungen für die Möglichkeit der Annahme der "fremden" Wissenschaften waren, muß dann auch nach den "Anfängen und der Entstehung der Wissenschaften im Islam" gefragt werden (so eine Untersuchung von Hans Daiber von 1978). Beide Fragen könnten zu der Frage vereint werden, die Shlomo Pines 1963 stellte: "Was war neu in den Arabischen Wissenschaften?"

          Diese Thematik wird jedoch nur beiläufig gestreift, weshalb man auch die drei genannten Studien in den ansonsten sehr informativen Bibliographien der Bände vergeblich sucht. Daß auch der von Menso Folkerts 1996 betreute Sammelband ("Mathematische Probleme im Mittelalter: Der lateinische und arabische Sprachbereich") fehlt, ist ebenfalls bedauerlich.

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