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Rezension: Sachbuch : Die intelligenteste Suchmaschine

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Der schönste Finderlohn für Dieter E. Zimmer sind viele Leser

          1 Min.

          Die Begegnung von Kultur und Wissenschaft mit ihren computertechnischen Voraussetzungen bringt allzu oft einen geringen Ertrag. Oft stehen sich Extreme gegenüber: Die verschrobenen Freaks, die sich über originelle Bildschirmschoner Gedanken machen, Bastler, die grundsätzlich "Rechner" statt "Computer" sagen und immer ein paar Stunden länger als die anderen im Institut bleiben. Auf der anderen Seite Menschen wie Harold Bloom, der unlängst für die "New York Times" ein "eBook" testete und sich dabei programmatisch zum Computer-"Dinosaurier" erklärte. Und in der Schnittmenge tummeln sich so viele luftige Hypertext-Theoretiker, dass man nach den vernünftigen Stimmen suchen muss. Eine davon ist Dieter E. Zimmer.

          Der "Zeit"-Autor, der unter anderem auch durch seine sachlichen und unpopulistischen Beiträge zum Sprachwandel und zur Orthografiereform aufgefallen ist, betätigt sich seit längerem als intellektuelle Suchmaschine, die den Nutzen, die Schwierigkeiten und die Zukunft der digitalen Revolution sinnvoll zusammenstellt und die elektronische Welt mit den - scheinbar - außertechnischen Anforderungen der Informationsbeschaffung, der Authentizität, der wissenschaftlichen Produktion und Archivierung in Beziehung setzt. Die Suchergebnisse, zuerst als Zeitungsartikel erschienen, sind aus dem Computer der "Zeit" per E-mail oder auf einer Diskette per snail mail, hoffentlich im rich text format, an einen Verlag geschickt worden, der sie in einer Speicherform zusammengebunden hat, die aus triftigen Gründen, die das Buch nennt, trotz allem Medienwandel nicht so schnell aussterben wird.

          Mit Sinn für die geistigen Zusammenhänge werden Themen wie die Umwälzung des Bibliothekswesens, die fragliche Entwicklung der Form wissenschaftlicher Zeitschriften, die verwickelte Natur der Zeichensätze, die Geschichte des "@" oder das Urheberrecht im virtuellen Raum benutzerfreundlich formatiert, was einsichtsvoll und vielfach schlicht hilfreich geraten ist, nicht nur für Dinosaurier. Das Buch endet mit einer Paradoxie: einem - klugen - Linkkatalog, der auf seine eigene Ephemerität hin- und auf seine aktualisierte Form im Internet verweist. Wer auf unsere Kultur blickt und die Frage "Wollen Sie die Änderungen speichern?" mit "Ja" beantwortet, sollte das Buch lesen, bevor es veraltet. Also wohl recht bald.

          JOHAN SCHLOEMANN

          Dieter E. Zimmer: "Die Bibliothek der Zukunft". Text und Schrift in den Zeiten des Internet. Hoffmann und Campe, Hamburg 2000. 331 S., geb., 39,90 DM.

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