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Rezension: Sachbuch : Der Papst, der die Frauen liebte

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Zum Skandal wurde die Nacktheit der Figur. Ein Grabmal bannt die Vergangenheit in einem Bild. Doch die Zeit geht weiter. Paul III. hatte selbst noch die Gegenreformation angestoßen, hatte fromme Kardinäle ernannt und das Konzil von Trient berufen. Nach einem halben Jahrhundert wurde sein Andenken zum Opfer jener Moralisierung des öffentlichen Raumes, die sich auf seine Autorität berufen konnte. Einer der wirkungsvollsten Vorwürfe der Abtrünnigen war die Klage gewesen, das Priestertum sei eine Institution der Heuchelei. Wo aber die Protestanten auf die Lücke zwischen Verhaltensnorm und Standessitten mit der Abschaffung des Standes reagierten, da setzten die Katholiken auf die Einschärfung der Norm. Mit dem Unwesen der Stellvertretung, das es einem Alessandro Farnese erlaubt hatte, die aus seinen Bischofstiteln fließenden Rechte zu genießen und die Pflichten zu delegieren, sollte es ein Ende haben; die Person sollte in der Rolle aufgehen. Daher nahm Clemens VIII., vormals Ippolito Aldobrandini, nach seiner Wahl im Jahre 1592 höchstselbst die Visitation seiner Diözese vor. Am 3. Juli begann er mit der Inspektion der Peterskirche, unter dem Datum des 5. Juli verzeichnen die Akten eine Anweisung: "Die Statuen auf dem Grabmal Pauls III. glücklichen Angedenkens sollen entfernt oder aber so schnell wie möglich etwas schicklicher bekleidet werden."

Vier Liegefiguren umgaben damals die Bronzestatue des sitzenden Papstes; neben der Gerechtigkeit stellten sie die Klugheit, den Frieden und den Überfluß vor. Die Abundantia ist bekleidet, wenn auch, was schon Vasari notierte, nur leicht. Die Brüste der Pax und der Prudentia sind entblößt, doch sind Friedfertigkeit und Besonnenheit als großmütterliche Eigenschaften aufgefaßt; die Greisinnen waren nicht geeignet, bei den Geistlichen die von Clemens gefürchteten "müßigen, unkeuschen und häßlichen Gedanken" zu erregen, wie Kardinal Odoardo Farnese glaubhaft zu versichern wußte. Unmöglich konnten die Farnese den Befehl des Aldobrandini widerspruchslos ausführen, sollte nicht jene Tugend beleidigt werden, die Paul III. nicht zu Füßen lag, aber sein Leitstern gewesen war: der Familiensinn. Doch der Obstruktion waren Grenzen gezogen. Was die Farnese, deren Haupt der Herzog von Parma war, über das anmaßende Auftreten der Aldobrandini dachten, die einmal ihre Klienten gewesen waren, hielten sie bedeckt. Und so mußten sie auch die Justitia verdecken, der im Dezember 1595 ein Metallkleid angemessen wurde.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich allerdings schon ein anderer Schleier über den üppigen Körper der lockigen Schönheit gelegt, ein Nebelkleid, von dem sich nicht mehr sagen läßt, wie dicht es war, weil nur Fetzen hängengeblieben sind. Was in aller Munde ist, braucht nicht niedergeschrieben zu werden. Es muß schon zufällig ein Fremder vorbeikommen, damit ein Gerücht aufgezeichnet wird. In Rom halten sich zum Glück zu allen Zeiten Fremde auf. Ein holländischer Reisender berichtete 1588 von der verbreiteten Meinung, die Nackte und ihre drei Gefährtinnen stellten die vier Konkubinen des Papstes dar.

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