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Rezension: Sachbuch : Der Krieg fällt heute aus

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Zwei walnußgroße Diamanten schmücken seine Hutagraffe. Ein Diamant von 23 Karat ruht an seiner Brust. Unzählige Diamantrosen säumen die Knopflöcher seines Gewandes aus Goldstoff. Die Knöpfe selber sind große Diamanten. Säbel und Gürtel sind von Diamanten übersät. Sein perlfarbenes Pferd trägt Sattel und Zaumzeug von Diamanten und Rubinen.

          Zwei walnußgroße Diamanten schmücken seine Hutagraffe. Ein Diamant von 23 Karat ruht an seiner Brust. Unzählige Diamantrosen säumen die Knopflöcher seines Gewandes aus Goldstoff. Die Knöpfe selber sind große Diamanten. Säbel und Gürtel sind von Diamanten übersät. Sein perlfarbenes Pferd trägt Sattel und Zaumzeug von Diamanten und Rubinen. Wenn seine beringten Hände gestikulieren, blitzen die Steine wie Feuer. Überall, wo August der Starke auf seiner Krönungsreise 1697 erscheint, sind alle Augen auf ihn gerichtet. Die Chronisten überbieten sich, die köstlichen Juwelen zu beschreiben.

          Edelsteine bedeuten Macht. Schon als Kurprinz von Sachsen besaß August der Starke Juwelen. Noch war es eine bescheidene Grundausstattung: Hutschmuck, Hemdenknöpfe, Fingerringe, Stock und Degen. Sie begleitete ihn auf seiner Kavalierstour, die ihn auch nach Versailles führte. Der Anblick des in Diamanten erstrahlenden Sonnenkönigs Ludwig XIV. prägte sich ihm unauslöschlich ein. Der Juwelenschatz, den er zusammentrug, erregte höchste Bewunderung bei den Zeitgenossen.

          Dabei war August der Starke ein Kenner, der im Dezember 1719 die Inventarisation seiner "Jubeln" anregte und überwachte. Bis auf den Bruchteil eines Gräns - der vierte Teil eines Carats - wurde das Gewicht der Steine gemessen. Die genaue Bestandsaufnahme bereitete die Überführung der Garnituren in das Grüne Gewölbe, den ehemaligen Staatstresor, vor. Der König plante ein Museum für seine Juwelen. Vermutlich 1727 wurde das Juwelenzimmer für Besucher geöffnet. Bis zu seiner Zerstörung im Jahre 1945 wurden nur geringe Veränderungen vorgenommen. Die Juwelen selber waren auf der Festung Königstein ausgelagert worden, wo sie die Trophäen-Kommission der Sowjetarmee an sich brachte. 1958 kehrten sie nach Dresden zurück. Es verwundert, daß die einzigartige Kollektion bisher nur in Teilen veröffentlicht worden ist. Auch die neueste Publikation von Ulli Arnold macht Abstriche. Zwar werden sämtliche Juwelen-Garnituren erstmals mit einem ausführlichen wissenschaftlichen Begleittext vorgestellt, die reiche Kollektion der Fingerringe fehlt jedoch. Der Autor bemerkt selber, daß eine gemmologische Untersuchung der Steine noch ausstehe, ebenso wie die Reinigung der meisten Garnituren. Offensichtlich wollte Dresden seine Glanzlichter nicht dem Blick der Touristen entziehen.

          Nach den Edelsteinen oder ihrem Gebrauch sind die Garnituren August des Starken benannt: Goldene Jagdgarnitur, Karneol-, Saphir-, Diamant-, Achat-, Rubin-, Smaragd- und Schildpattgarnitur. Zu jedem Kleid konnte er die farblich passende Garnitur wählen. Der König war modebewußt, ständig war die kostbare Kollektion Veränderungen unterworfen. Schmuckstücke wurden zerbrochen oder ihrer Steine beraubt und zu neuen Kreationen zusammengefügt. Ein Heer von Untergebenen arbeitete im Dienste der Juwelen: Geheimkämmerer, Inspektoren, Hofjuweliere, auswärtige Goldschmiede und sogenannte "Aufwärter", die allein für die Reinigung und Verpackung zuständig waren. Doch die angespannten Staatsfinanzen zwangen häufig zur Verpfändung der Kostbarkeiten. Für den nächsten königlichen Auftritt wurden sie wieder eingelöst, um sie kurz darauf wieder zu verpfänden.

          Nicht jeder der Nachfolger August des Starken hat sich mit der gleichen Leichtigkeit von seinen "Jubeln" gelöst. Friedrich der Große berichtet nicht ohne Ironie über August II.: "Zur Belagerung Brünns hatte man den König von Polen um schweres Geschütz ersucht. Er schlug es aus Geldmangel ab; er hatte soeben 400000 Taler für einen großen grünen Diamanten ausgegeben." Es ist der "Dresden Green", mit 160 Grän das Prunkstück der Sammlung.

          BETTINA ERCHE

          Ulli Arnold: "Die Juwelen Augusts des Starken". Koehler und Amelang, München und Berlin 2001. 335 S., 248 Abb., geb., 88,- .

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