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Rezension: Sachbuch : Der göttliche Funke entzündet das Lebenslicht

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Die Natur ist gütig, der Mensch gefährlich: Robert Spaemann glaubt nicht an die Möglichkeit einer säkularen Moral

          Die Frage nach der Personalität des Menschen ist nicht nur von theoretischem Interesse, sondern auch von praktischer Bedeutung. So vertreten einige zeitgenössische Philosophen die ethische Position, das Menschenrecht auf Leben stehe dem menschlichen Individuum nicht bereits mit Beginn seines Lebens zum Zeitpunkt der Befruchtung, sondern erst mit dem späteren Beginn seiner Existenz als Person zu. Terminologisch gesehen, hat Robert Spaemann an diesem Ansatz nichts auszusetzen. Auch für ihn gilt: "Personenrechte sind Menschenrechte." Gleichwohl widerspricht er der genannten ethischen Position entschieden. Er hält ihren bloß empirisch orientierten, auf John Locke zurückgehenden Personbegriff für völlig unzureichend und versucht statt dessen, einen metaphysisch angereicherten Personbegriff zu entwickeln, auf dessen Basis der Anfang der Personalität mit dem Anfang des menschlichen Lebens notwendig zusammenfällt. Die Bedeutung dieser Kontroverse insbesondere für die Abtreibungsfrage liegt auf der Hand.

          Spaemann entwickelt seinen Personbegriff anhand zahlreicher unterschiedlicher Gliederungspunkte, die von "Intentionalität" und "Transzendenz" über "Religion" und "Seelen" bis hin zu "Gewissen" und "Freiheit" reichen. Viele seiner Feststellungen und Analysen gründen dabei auf allgemein zugänglicher Erfahrung und sind, untermauert durch geschickt gewählte Beispiele, leicht nachvollziehbar. Entscheidende Punkte der Argumentation jedoch, an denen Spaemann seiner metaphysischen Reflexion freien Lauf läßt, dürften von philosophischen Laien nur schwer nachvollzogen werden können. So liest man etwa: "Ohne das Ausgreifen des Bewußtseins auf einen nicht durch es selbst definierten, also begrenzten Raum wäre die Reflexion auf das Für-mich-Sein des Gegebenen sinnlos, weil tautologisch und trivial. Wenn es kein Sein jenseits dessen gibt, was sich zeigt, dann ist alles genau das, als was es sich zeigt, und jede Reflexion leer." Erst mit der Annahme eines Schöpfergottes lasse sich insofern der Personbegriff adäquat erfassen: "Wenn Subjektivität religiös verstanden wird, kann sie als Person verstanden werden, also als Seiendes, das als Subjektivität ursprünglich ,gemeint' ist und sich einem solchen Gemeintsein verdankt. Die Unvordenklichkeit des Seins vernichtet das Denken in seiner Intention auf Wahrheit, also auf Enthüllung von Sein, unter der Voraussetzung nicht, daß das Unvordenkliche selbst als Subjektivität, also personal gedacht wird." Eine leichte Lektüre ist dies nicht.

          Vor allem in ihrer moralischen Dimension sind Personen laut Spaemann ohne Gott nicht möglich. Der Autor bekennt sich ausdrücklich zu dem vielzitierten Diktum Dostojewskis, wonach, wenn es Gott nicht gibt, alles erlaubt ist. Dabei versteht er dieses Diktum primär im Hinblick auf das Warum des moralischen Sollens: Warum soll ich jemals das als moralisch richtig Erkannte tatsächlich auch tun?

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