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Rezension: Sachbuch : Der deutsche Kaiser war ein König wie andere auch

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Kirsch unterscheidet drei Erscheinungsformen des monarchischen Konstitutionalismus: Erstens die konstitutionelle Monarchie mit dominierendem Parlament wie in Frankreich und Belgien nach 1830. Zweitens eine napoleonische Variante, die sowohl im Ersten wie im Zweiten Kaiserreich praktiziert wurde und mit Staatsstreich sowie Plebiszit verbunden war. Die Studie weist in beiden Fällen eine Charakterisierung der napoleonischen Herrschaft als "Diktaturen" zurück. Entwickelte sich die Verfassung unter Napoleon I. von einer konstitutionellen Monarchie, die wenn auch nicht dem Namen, so doch dem Typ nach seit 1799 existierte, zu einem autoritären Regime, veränderte sich das Kaiserreich Napoleons III. tendenziell in umgekehrter Richtung. Allerdings war der Ausgangspunkt 1852 nicht der Stand von 1810/14, weil der zweite Kaiser den fortgeschrittenen Partizipationsansprüchen seit der Revolution von 1848 Rechnung tragen musste. An diesem Beispiel wird deutlich, dass Kirsch trotz des streng systematischen und typisierenden Vorgehens in seiner Argumentation die historischen Erfahrungen gebührend berücksichtigt.

Die dritte Erscheinungsform bildete die konstitutionelle Monarchie mit Vorrang des Königs. Das Modell der französischen Charte von 1814 wird hier vornehmlich mit den deutschen Verfassungen der Zeit nach dem Wiener Kongress bis zum Deutschen Kaiserreich verglichen. Wie bei den anderen beiden Ausprägungen behandelt Kirsch die Genese der Verfassungen, die normativen Regeln für das Gesetzgebungsverfahren und für die Exekutive und schließlich die jeweils konfliktreiche Verfassungswirklichkeit. Sein Vergleich zielt hauptsächlich auf die Suche nach europäischen Gemeinsamkeiten, die allerdings auch in einem Spannungsverhältnis zu den nationalstaatlichen Entwicklungen gesehen werden. Die Spannungen nahmen gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts in der Verfassungsfrage zu, vor allem wenn die Zeitgenossen sich theoretische Gedanken über die Verfassungstypen machten. Hintzes Gleichsetzung des Konstitutionalismus mit seiner deutschen Ausprägung stand begriffsgeschichtlich in der Folge eines erst ab 1870 allmählich ausgeprägten Sonderbewusstseins in der politischen Selbstwahrnehmung.

Kirsch löst diese Verknüpfung in seiner historiographischen Begriffsbestimmung bewusst wieder auf. So gelingt es ihm, die nationalstaatlich verengte Perspektive der bis in jüngste Forschungen nachwirkenden Kontroversen aufzubrechen. Er erklärt, warum die konkreten Ausprägungen eines allgemeinen Typus des monarchischen Konstitutionalismus zu bestimmten Zeiten in verschiedenen Staaten verwirklicht wurden - zum Teil durch Export oder bewusste Aneignung, teilweise aber auch in gezielter Abwehr einer Erscheinungsform zugunsten einer anderen. Dass sich die Untersuchung neben den Verfassungstexten vornehmlich auf die umfangreiche Sekundärliteratur stützen muss, ist angesichts des vergleichenden Erkenntnisinteresses kaum vermeidbar. Zu Recht konzentriert sich der Autor für seine Epoche auch auf das Machtverhältnis von Monarch und Parlament. Eine Studie zur Ausbreitung des Verfassungsstaates im zwanzigsten Jahrhundert müsste hingegen eher die Menschen- und Bürgerrechte in den Mittelpunkt rücken. Dies mag als Hinweis darauf genügen, dass die Verfassungsgeschichte im neunzehnten Jahrhundert einen Seminarbesuch oder die Lektüre dieses beispielgebenden Buches auch unter aktuellen Gesichtspunkten lohnt.

JOHANNES PAULMANN.

Martin Kirsch: "Monarch und Parlament im neunzehnten Jahrhundert". Der monarchische Konstitutionalismus als europäischer Verfassungstyp - Frankreich im Vergleich. Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, Band 150. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999. 476 S., geb., 98,- DM.

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