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Rezension: Sachbuch : Bücherschreiben ersetzt Kickers Therapie

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Ratschläge für Fußballer und echte Menschen: Rollmanns Berufsreport

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          Das Buch "Beruf: Fußball-Profi" von Jürgen Rollmann, erschienen im Sport Verlag Berlin, beschreibt auf knapp 200 Seiten das Leben des Autors von der Jugend bis zu dem Zeitpunkt, an dem er, inzwischen Journalist, dieses Buch schreibt. Darin schildert er den Weg zum Lizenzspieler, wie und was er dabei als Torwart bei Werder Bremen und dem MSV Duisburg erlebt hat und wie es ganz schnell zu Ende gehen kann. Außerdem beschreibt er sein Schaffen in der Vereinigung der Vertragsfußballer, deren Präsident er von 1994 bis 1996 war, beleuchtet das heikle Thema der Spielerberater und der Geldanlage. Und zu guter Letzt dürfen Kapazitäten wie Jürgen Klinsmann oder Uli Hoeneß weise Ratschläge für junge Fußballer erteilen, die aber auch auf echte Menschen übertragbar sind.

          Als Außenstehender wird man das Buch sicherlich recht interessiert und zügig durchlesen, da es doch einiges an spannenden Details aus der großen Welt des Fußballs zu erfahren gibt. Als ehemaliger Arbeitskollege kann ich Jürgen Rollmann trösten. Vieles, was ihm passierte, ist auch mir oder anderen Kollegen widerfahren. Ob es nun nicht eingehaltene mündliche Vereinbarungen, Differenzen mit Trainern oder die Wahl der passenden Eigentumswohnung sind, alles passierte schon mal und wird noch öfter wiederkommen. Es ist bloß noch keiner (soweit ich weiß) auf die Idee gekommen, es aufzuschreiben.

          Der Grund dafür liegt meiner Meinung nach darin, daß die therapeutische Wirkung eines solchen Buches von den meisten Spielern einfach unterschätzt wird. Ich denke, Jürgen Rollmann verarbeitet mit seinem Buch die unsaubere Trennung vom MSV Duisburg. Wer aufmerksam liest, merkt, wie schmerzhaft das Ende beim MSV für ihn war. Jürgen Rollmann schreibt sich den Frust von der Seele, und das ist auch sein gutes Recht. Ob alles so stimmt, wie es dargestellt wird? Wer weiß es schon! Es spielt auch keine Rolle. Wie viele Politiker haben schon die Welt aus ihren Augen, in einer Autobiographie getarnt, beschrieben? Hauptsache, Jürgen Rollmann ist wieder gesund, und alle werden beglückt, denen der "kicker" nicht ausreicht, um sich über den Fußball ein "Bild" zu machen. Ich hoffe nur, daß nicht alle Fußballer auf die Idee kommen, ein Buch zu schreiben. Denn dann wird's ziemlich kritisch . . . RICHARD GOLZ

          (Der Autor hat als Torwart des Hamburger SV 272 Bundesligaspiele bestritten.)

          Besprochenes Buch: Jürgen Rollmann: "Beruf: Fußballprofi. Oder: Ein Leben zwischen Schein und Sein", Sportverlag Berlin, 192 Seiten, 29,90 Mark.

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