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Rezension: Sachbuch : Bücher zum Auto Ost

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Aus Eisenach und Zwickau

          Knapp neun Jahre nach der Wende sieht man im Osten Deutschlands nur noch recht wenig Trabis oder Wartburgs. Westliche Fahrzeuge und solche aus dem Fernen Osten dominieren im Straßenbild. Dafür, daß Trabant & Co. nicht in Vergessenheit geraten, sorgen zahlreiche Klubs und natürlich auch immer wieder fleißige Autoren. Fast gleichzeitig sind jetzt drei Bücher erschienen: Zwei gelten dem Trabi, und eines hat sich die Autos aus Eisenach zum Thema gestellt; dabei hat Horst Ihling auch die Vorkriegsgeschichte intensiv aufgearbeitet. Die Ursprünge der Automobilfertigung in Eisenach reichen bis ins Jahr 1896 zurück, als der Geheime Baurat Heinrich Ehrhardt eine Fahrzeugfabrik gründete. Er stammte aus Zella-Mehlis, hatte sich aus kleinsten Anfängen hochgearbeitet und war auch Gründer von Rheinmetall (1889). In Eisenach wurden bis 1903 rund 250 Motorwagen gebaut, und schon damals wurde das Wahrzeichen der Stadt, die Wartburg, als Modellbezeichnung benutzt. Im selben Jahr verließ der Selfmademan sein Unternehmen im Streit mit den Banken. Es wurde ein kompletter Neuanfang nötig, da Ehrhardt alle Lizenzen und Patente mitgenommen hatte. Die Banken holten sich jedoch fähige Techniker und Ingenieure, und schon 1904 sind neue Motorwagen fertig: die Dixi S 12 und T 24. BMW engagierte sich 1929, bis dato hatten die Münchner nur Motorräder und Flugzeugmotoren gebaut. Wenn man so will, hat Eisenach BMW das Autobauen beigebracht. Die Geschichte von BMW in Eisenach endet mit dem Abzug der Amerikaner am 30. Juni 1945: Spätestens jetzt verließen auch alle Verantwortlichen das Werk. Es folgte ein Neuaufbau unter sowjetischer Herrschaft, zunächst noch (bis 1952) als BMW Eisenach. Ihling schildert die weitere Geschichte bis zur Wende und zur Opel-Neuzeit ebenso engagiert. Neben Eisenach war Zwickau das automobile Zentrum der ehemaligen DDR. Dort wurde seit 1957 der berühmte Trabant gefertigt, der Inbegriff des DDR-Autos. Er war mehr oder weniger auf Anforderung der Partei gebaut worden. Die Bücher von Frank Rönicke und Matthias Röcke arbeiten seine Geschichte auf. Rönicke wählt einen historischen Ansatz; Röcke unterschlägt diese Dimension nicht, erzählt aber mehr zum Drumherum des Trabi.

          BORIS SCHMIDT

          Autos aus Eisenach. Von Horst Ihling. Motorbuch Verlag, Stuttgart, 256 Seiten, 356 Abbildungen, 59 Mark.

          Trabant - Legende auf Rädern. Von Frank Rönicke. Schrader-Verlag, Stuttgart, 128 Seiten, 174 Abbildungen, 49,80 Mark.

          Die Trabi-Story. Von Matthias Röcke. Heel-Verlag, Königswinter, 144 Seiten, 221 Abbildungen, 39,80 Mark.

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