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Rezension: Sachbuch : Bücher

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          Von Stambul nach Bagdad. Die Geschichte einer berühmten Eisenbahn. Von Manfred Pohl unter Mitarbeit von Angelika Raab-Rebentisch. Piper Verlag München/Zürich, 189 Seiten, 78 Mark. Hätten die Verantwortlichen der Deutschen Bank vorher gewußt, welche Probleme auf sie zukommen würden, sie hätten die Bagdadbahn vermutlich nicht finanziert. Die Eisenbahn sollte vom Bosporus quer durch das Osmanische Reich über Bagdad bis an den Persischen Golf führen und damit als Verlängerung für den Orientexpreß dienen. Doch als ein Konsortium unter Führung der Deutschen Bank 1888 gegen starke Konkurrenz die türkische Konzession für Bau und Betrieb der Bahnlinie erhielt, waren die Spannungen, die zum Ersten Weltkrieg führen sollten, noch nicht erkennbar. Das Deutsche Reich selbst war anfangs kaum beteiligt, schaltete sich aber später - es ging um den berühmten "Platz an der Sonne" im Reigen der Kolonialmächte - zunehmend in das Projekt ein. Deutschland trug Großbritannien eine Beteiligung an, holte sich aber mehrmals eine Abfuhr. Je weiter die Bahn nach Osten gebaut wurde, desto stärker sahen Großbritannien, Frankreich und Rußland eigene Interessen im Nahen Osten und am Persischen Golf gefährdet. Die Bahn beförderte Deutschland also direkt in einen Brennpunkt europäischer Machtpolitik hinein. Die Arbeiten kamen nur schleppend voran, bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs war die Bahnlinie bei weitem noch nicht fertiggestellt. In technischer Hinsicht war das Projekt aufgrund zahlreicher Tunnel- und Brückenbauten, der Uferbefestigungen und Flußumleitungen eine beachtliche Pionierleistung, die unter widrigen Umständen am Ort regelrecht erkämpft werden mußte. "Das Raubwesen steht in hellem Flor", heißt es denn auch in einer zeitgenössischen Mitteilung. Erst im Juli 1940 war die Bahnlinie bis Basra am Persischen Golf befahrbar. Die Bauarbeiten haben also knapp dreimal so lange wie bei der Transsibirischen Eisenbahn gedauert. (hgs.)

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