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Rezension: Sachbuch : Bilderzoom und Hyperlink

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Durchgehend vierfarbig: Eine neue Reihe mit Biographien bei dtv

          4 Min.

          Das dringende Bedürfnis nach einer neuen Reihe von "Biographien bedeutender Frauen und Männer aus Geschichte, Literatur, Philosophie, Kunst und Musik" war eigentlich nicht zu spüren. Vielmehr glaubte sich der Leser nach einem Blick ins Bücherregal wohlversorgt. Die vielen Bände der rororo-Bildmonographien - grundsolide und wohltuend unaufgeregt - stillten den kleinen Lesehunger zwischendurch. Einführungen in Werk und Leben aus dem Junius- und Campus-Verlag boten dem Mitdenkenden schon härtere Knacknüsse. Und auch die Sammlung Metzler und die Beck'schen Autorenbücher offerierten nahrhaften Purismus, indem sie auf versüßende Bildbeigaben verzichteten. Damit schien der Markt gesättigt.

          "dtv-portrait" hofft nun, mit einem Zauberwort den Appetit neu anregen zu können. Es heißt: "durchgehend vierfarbig". So verspricht es der Umschlag an erster Stelle, bevor er buchstabenlastige Beiläufigkeiten wie Glossar oder Auswahlbibliographie als Empfehlung nachhinken läßt. Angepriesen werden mit diesem Versprechen der Buntheit nicht etwa nur die Abbildungen. Auch der Text kommt farbig daher, wenn zartes Mauve den Werkzitaten unterlegt ist oder ein frisches Steingrau Sätze aus der Sekundärliteratur umspielt. Bunte, allerdings farblich nicht immer darauf abgestimmte Linien trennen diese Zitatflecken vom fortlaufenden Text. Er ist weiterhin schwarz auf hartweißem Grund.

          Die vier Auftaktbände über Hildegard von Bingen, Fontane, Büchner und die Droste folgen in ihrem Seitenaufbau dem gleichen Modell. Knapp behauptet der Erzähltext die Blattmitte. Fällt darin der Name einer historischen Person, so erscheint neben dem Text zwangsläufig ihr miniaturisiertes Porträt. Wird sie einer Abbildung nicht für wert befunden, rückt eine Art lexikalischer Kürzestartikel ans Seitenende unter den bunten Strich. Über Friedrich Schlegel etwa erfährt man dort: "Führender Programmatiker und Ästhetiker der Romantik, Mitbegründer der modernen Literaturgeschichtsschreibung". Wer vorher nicht mehr wußte, kann auch darauf verzichten. Allerdings hätte er dann die enzyklopädische Geste verpaßt, mit der sich die Bände augenzwinkernd dem Leser anbieten. Offensichtlich traute man bei dtv dessen historischer Kompetenz nicht so recht, schreckte aber zugleich davor zurück, der bildungsbürgerlichen Besserwisserei bezichtigt zu werden. Am (Seiten-)Ende kommen deshalb solche Halbwahrheiten heraus: Bausteinbiographien, die in ihrer Knappheit schon wieder falsch werden. Lernen kann man aus ihnen allenfalls ihre Entbehrlichkeit.

          Auch Zitate aus Werken und Briefen rücken an die Blattperipherie. Zusammen mit den Bildern, den Wort- und Sacherklärungen umschwirren sie das von allen Seiten bedrängte Textzentrum. Der Leser verliert die Zeile, weil Bunteres um seine Aufmerksamkeit wirbt. Die Lebenserzählung kämpft mit diesen optischen Konkurrenten, die sich wie eine Werbepause dazwischenschieben. Sie versprechen Ablenkung von dem, was doch eigentlicher Grund des Kaufs gewesen war. Schöne, aber nicht immer motivierte Bilder durchschießen nun den Lesefluß, der darüber manchmal versiegen will. Das Buch unterbricht unprovoziert die Konzentration auf seinen Gegenstand. Es bereitet seine eigene Abschaffung vor, weil es das Selbstvertrauen verloren hat.

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