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Rezension: Sachbuch : Bestzeiten, alte Zeiten, Sendezeiten

  • Aktualisiert am

Die Fibel für den Kaffeetisch

          2 Min.

          Manche Bücher kommen im großen Format daher, und nach dem verlegerischen Trend der vergangenen Jahre legt man sie sich oder jemand anderem auf den Kaffeetisch. Gerade ist nun ein Radsportbuch erschienen, das ein großes Format, einen festen Deckel und einen Platz bei Kaffee und Kuchen verdient hätte, noch eher aber die Lektüre der neuen deutschen und auch der eingefleischten Radsportfreunde. Letzteres dürfte es leicht finden, denn "Das Tour de France Buch", geschrieben von Harald Krämer, wird gesponsert von Eurosport, verlegt bei Rowohlt als Taschenbuch und kostet weniger als einen Zwanzigmarkschein.

          Zudem ist es das beste Radsportbuch deutscher Zunge seit langem; nicht, weil sein Verfasser ein begnadeter Autor wäre, sondern weil er ein hervorragender Leser ist. Zeitungen, Zeitschriften und Bücher hat er ausgewertet, Archive und Experten ausgequetscht, und herausgekommen ist ein Kompendium mit fast allem, was man wissen muß über einen Wettbewerb, den seit zwei Jahren eine Mannschaft der Deutschen Telekom und ihr rotblonder Vorreiter beherrschen.

          Von den Ausgrabungen der Tour-Prähistorie, die kurz nach der Jahrhundertwende lag, über Berichte aus Frühzeit und Mittelalter bis zu Renaissance und Moderne der Tour spannt diese Sammlung einen Bogen. Sie zeigt eine Galerie großer Rennfahrer von Bartali und Coppi, Anquetil und Poulidor, Merckx, Lemond und Fignon bis Induráin, Riis und Ullrich mit den wichtigsten Ergebnissen und Legenden ihrer Zeit. Sie zeigt, wie die deutschen Fahrer, die es vom ersten Tag an bei der Tour gab, abschnitten: Josef Fischer, Kurt Stöpel, Hennes Junkermann, Rudi Altig, Didi Thurau, Olaf Ludwig. Sie skizziert das Millionen-Unternehmen Tour de France, entwirft eine Chronik des Dopings, erklärt die Arbeit der Wasserträger und enthält Nachdrucke von Artikeln über das Autorennen Tour und die Selbsterfahrung des Radfahrers am Berg. Der Laie staunt, daß es eine Tour schon vor Telekom gab, und der Fachmann wundert sich über die Fülle liebevoll zusammengestellter Details und Fundsachen. Frisch für den Sommer sind Streckenplan der 98er Tour und Profil der Bergetappen enthalten, eine Vorschau und Statistiken, die bestens informieren über Bestzeiten, alte Zeiten und Sendezeiten.

          Ein Buch, auf das man aufbauen kann: zu allererst der Leser, bestimmt aber auch der Verlag. Vielleicht sollte es ins große Format wachsen. Es fehlt nicht viel: der aktuelle Tourbericht, die vergessenen Kapitel über Bernard Hinault und Erik Zabel, bunte Bilder und ein fester Deckel. Es wäre auch dann noch lesenswert, wenn Ullrich nicht aufs neue triumphierte. mr.

          Besprochenes Buch: Harald Krämer: "Das Tour de France Buch", Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 255 Seiten, 19,90 Mark.

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