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Rezension: Sachbuch : Auf einen Blick

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Natürlich existierte Amerika schon seit einiger Zeit, damals, 1937, als Bruno Bernard dort ankam, und natürlich war er nicht ganz freiwillig gekommen, der deutsche Jude, der eigentlich eine Karriere als Jurist hatte machen wollen, in jener Heimat, die nun, für so viele Deutsche, keine Heimat mehr war.Aber ...

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          Natürlich existierte Amerika schon seit einiger Zeit, damals, 1937, als Bruno Bernard dort ankam, und natürlich war er nicht ganz freiwillig gekommen, der deutsche Jude, der eigentlich eine Karriere als Jurist hatte machen wollen, in jener Heimat, die nun, für so viele Deutsche, keine Heimat mehr war.

          Aber Amerika existierte eben vor allem auch im Kopf von Bruno Bernard, seitdem er den Film "San Francisco" gesehen hatte; und als er dann dort war, in Kalifornien, wo er, der promovierte Jurist, eigentlich das angelsächsische Recht studieren wollte, da fand er, daß man seinen amerikanischen Traum eher in den Bildern als zwischen Paragraphen und Buchstaben suchen müsse. Er fing an als Amateur mit der Kamera und ist, auch als er dann ein Profi wurde, immer ein Liebhaber geblieben. Bernard of Hollywood, wie er bald hieß, photographierte Marilyn Monroe und Brigitte Bardot, Sophia Loren und Marlene Dietrich, und sein Photo von den Dreharbeiten zum "Verflixten siebten Jahr", die berühmte Szene auf dem U-Bahnschacht, wo der Fahrtwind für eine Art von Striptease sorgt, dieses Photo hängt heute im Museum of Modern Art. Wobei die Leute vom Museum leider den Beweis dafür, daß Marilyn nicht überall blond war, retuschiert haben.

          Interessanter aber als die Glamourphotos der Weltstars sind Bernards reine Pin-ups, jene Bilder also, die junge Frauen in Posen zeigen, welche das Begehren der Männer wecken oder steigern sollen. Da nämlich sieht man, gerade weil die Arbeitsbedingungen nicht immer luxuriös waren, der Mechanik sexueller Reize geradezu beim Klappern zu: Diese Posen, die für den heutigen Betrachter manchmal seltsam verspannt wirken, werfen immer die Frage auf, was zuerst da war - der männliche Blick; oder war es doch der Blickfang? Erfand Bernard diese Frauen - oder erfanden sie sich selber? Und in manchen Bildern, die dem voyeuristischen Blick womöglich nicht so ganz gelungen scheinen, ahnt man, daß diese Frauen, die hier Brüste und Beine zeigen, jedenfalls nicht bereit waren, sich einfach bloß dem Willen des Photographen zu unterwerfen.

          cls

          Bernard of Hollywood: The Ultimate Pin-up Book. Taschen-Verlag. 360 Seiten. 32 Euro.

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