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Rezension : Marilyn Monroe - The Complete Last Sitting

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          2 Min.

          Kein Mann ihrer Zeit, so geht die Legende, konnte ihr widerstehen. Massenweise verfiel das Kinopublikum ihrem Bild; doch alle, die ihr einmal leibhaftig gegenüberstanden, bestätigten, daß sie ihre Ausstrahlung nicht dem Zelluloid verdankte, auf dem ihr Mythos unsterblich wurde. Ein Blick auf die lebendige Marilyn Monroe ließ so unterschiedliche Männer wie Arthur Miller, John F. Kennedy, Lee Strasberg oder Yves Montand davon träumen, über ihre Sexualität Zugang zu finden zu jenem Reich kindlicher Unschuld, das sie wie kein anderer weiblicher Leinwandstar vor oder nach ihr versprach. In den guten Filmen, in denen Marilyn Monroe gespielt hat, in ihrer Arbeit mit Billy Wilder, Joshua Logon, John Huston, ist diese Widersprüchlichkeit unübersehbar; auf den Tausenden von Fotografien, die von ihr entstanden, ist sie nur selten zu entdecken. Eine Ausnahme sind die Bilder von Bert Stern, der Marilyn Monroe kurz vor ihrem Tod in zwei langen Sitzungen im Bel-Air Hotel in Los Angeles fotografierte.

          Auch Bert Stern hatte von Marilyn Monroe geträumt, seit er ihr zum ersten Mal im Jahr 1955 gegenüberstand. Das erzählt er jedenfalls in dem Text, der den mehr als zweieinhalbtausend Fotografien vorangestellt ist, die im dreißigsten Todesjahr von Marilyn Monroe nun in einem neuaufgelegten Band vorliegen. Sieben Jahre nach dieser ersten Begegnung, Jahre, in denen Bert Stern sich als Werbe- und Modefotograf etabliert hatte, bot er der Vogue eine Fotoserie mit Marilyn Monroe an. Noch während der Arbeit in dem improvisierten Studio im Bel-Air, zu der sein Modell nicht ganz pünktlich, aber überaus konzentriert und professionell erschien, war sich Stern nicht sicher, ob er für sein Begehren einen künstlerischen Ausdruck finden wollte oder ob er nur darauf hoffte, Marilyn Monroe verführen zu können. Mit Sicherheit wußte er nur, daß er nach dem einen, endgültigen Porträt der Marilyn Monroe suchte, das dem Greta-Garbo-Bild entsprechen sollte, das Edward Steichen geschaffen hatte.

          Stern begann seine Arbeit mit einer Serie von Aktaufnahmen, auf denen eine verspielte Marilyn Monroe mit dicken Klunkerketten posiert und lichtdurchlässige Chiffonschleier um sich wickelt, als seien sie ein dickes Badetuch. Am Ende dieser ersten Sitzung, die zwölf Stunden dauerte und von der Stern wie von einem Liebesakt berichtet, wußte er, daß ihm dieses Bild nicht gelungen war. Auch die Vogue war nicht ganz zufrieden und schickte ihn mit großem Stab und einem Haufen Kleider ein zweites Mal nach Los Angeles. Neben einer Reihe von wunderbaren Modefotos gelang Stern nun auch das von ihm ersehnte Bild - das Porträt einer lachenden Frau (unsere Abbildung), eingerahmt von blondem Haar und einer Menge Glitter, die dem Blick, der sich in sie versenkt, immer weiter zu entschwinden scheint. (Bert Stern: "Marilyn Monroe - The Complete Last Sitting". Mit einem Text von Bert Stern. Verlag Schirmer/Mosel, München 1992. 464 S., 2658, zum Teil farbige Abb., geb., 168,-DM.) lue

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