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Herzogin Anna Amalia Bibliothek : Mozart aus der Asche gelesen

Angebrannte Buchseiten im vom Feuer zerstörten Rokoko-Saal der Anna Amalia Bibliothek. Nach der Brandnacht wurde jedes Blatt, das noch auffindbar war, geborgen. Bild: AP Photo / Jens Meyer

Nicht alles war ganz verloren, was 2004 dem Brand in Weimar zum Opfer fiel. Mit neuen Methoden gelingt es jetzt sogar, unlesbar gewordene Handschriften wieder sichtbar zu machen.

          Geborgen aus tonnenschwerem Aschebrei, getrocknet, nachdem heißes Löschwasser stundenlang auf sie herabgestürzt war, werden in Weimar seit jener Brandnacht vor zehn Jahren auch die Reste versehrter Bücher, Handschriften und Notenblätter aufbewahrt. Sie sind nicht mehr zu restaurieren. Manchmal ist es nur noch das Deckblatt einer Schrift, oder es sind ein paar Seiten, die Ränder angekokelt, oft mit Notizen eines gelehrten Lesers versehen, die nun nicht mehr oder kaum noch zu entziffern sind. Aber alles wurde identifiziert, alles bleibt aufbewahrt im Büchermausoleum der Carlsmühle. Die Arbeit am Original, seine Bewahrung und die Erforschung seines historischen Kontextes bleibt eine Kernaufgabe der Herzogin Anna Amalia Bibliothek - und das gilt auch für die von Feuer und Wasser schwer geschädigten Unikate.

          Regina Mönch

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

          Um sie der Forschung, so weit es geht, wieder zugänglich zu machen, wird vor allem der historische Buchbestand digitalisiert: die Handschriften, Globen, Landkarten und die bedeutende Musikaliensammlung. Diese Sammlung, noch unzureichend erforscht, ist von Feuer und Wasser besonders schwer getroffen worden. Von der kunstsinnigen Herzogin Anna Amalia systematisch angelegt und von der Zarentochter Maria Pawlowna weitergeführt, spiegelt sie nicht nur die kosmopolitische Ausrichtung des Weimarer Hofes, seine Verbindungen nach Venedig, Wien und Dresden.

          Die Weimarer Musikaliensammlung ist auch ein eigensinniges Dokument der musikästhetischen Diskussionen des späten achtzehnten und des neunzehnten Jahrhunderts, auf die Weimar Einfluss nehmen wollte. Neben den Notenhandschriften, darunter Lieder und geistliche Musik, aber auch enorm viele Opera-seria-Partituren, sind vor allem Spielvorschriften und handschriftliche Kommentare - nicht nur die Goethes - sowie die Autographe von Komponisten wie Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Nepomuk Hummel, Carl Maria von Weber für die Musikwissenschaft von Bedeutung.

          Forschung mit Multispektraldigitalisierung

          Alles, was in der Brandnacht beschädigt wurde, wird nicht zu retten sein. Doch an achthundert Notenhandschriften des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts aus der Carlsmühle, die zum Teil nicht mehr zu lesen sind, soll jetzt ein außergewöhnliches Rettungsexperiment durchgeführt werden. Wenn es gelingt, wird einiges, was als verloren galt, für die Wissenschaft wieder nützlich sein können. Das Unterfangen hört sich fast märchenhaft an: Was unlesbar ist, soll mit den Mitteln der Multispektralaufnahme und Bildverarbeitung wieder sichtbar werden!

          Erste konzentrierte Testreihen an Resten von Handschriften, durch Feuer oder Wasser unlesbar gemacht, waren sehr erfolgreich. So wurde unter anderem eine Mozart-Ouvertüre, gewidmet der zweiten großen Weimarer Kunstherzogin Maria Pawlowna, rekonstruiert: Ihre Noten wurden gewissermaßen aus der Asche herausgelesen.

          Neben staunenswerten Erfolgen bei der Buchrestaurierung, die sich auch vielen neuen Methoden verdankt, an deren Entwicklung sich neben anderen die Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim und das Fraunhofer-Institut beteiligten, ist es vor allem dieses Forschungsprojekt zur Multispektraldigitalisierung, auf das sich viele Hoffnungen richten. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, nun gilt es, Förderer zu finden. „Leider passt das Projekt mit seinem Finanzvolumen von etwa einer Million Euro nicht in eines der Förderprogramme des Bundesforschungsministeriums. Jetzt suchen wir nach einer anderen Finanzierung durch eine Stiftung oder eine Fördereinrichtung“, sagt Michael Knoche, Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek.

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