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Ratgeber : Erziehen wir unsere Kinder zu Tyrannen?

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Winterhoffs Buch ist gleichsam eine Minimalanforderung an Eltern und Erzieher. Hier ist vom „Wissen der Vorväter“, das Bueb im Blick hat, nicht die Rede, sondern davon, wie es Eltern, die psychisch gesund, aber von der Realität verunsichert sind, zum Vorteil der Kinder und der Gesellschaft gelingen kann, dass ihre Kinder früh jene seelische Statur erhalten, dank derer sie sozial reife Erwachsene werden.

Erziehung zum Statuserhalt

Man kann das Auftauchen eines solchen Buches, das sich wie eine auf das Notwendigste beschränkende Anweisung liest, allgemein mehr Ordnung herzustellen, indem eine bestimmte Ordnung eingehalten wird, wahrscheinlich nur dadurch erklären, dass man es als Symptom jener Imagination von Gesellschaft versteht, die der Soziologe Heinz Bude in seiner vor wenigen Monaten erschienenen Studie „Die Ausgeschlossenen. Das Ende von der gerechten Gesellschaft“ auf wenigen plastisch formulierten Seiten entworfen hat. Die Mitglieder dieser von Bude vorgestellten deutschen Gesellschaft sind von der Vorstellung, die in Angst umschlagen kann, geprägt, dass sie ihren sozialen Status nicht mehr ein Leben lang halten können. Sie rechnen damit, dass auch sie das Schicksal trifft, das heutzutage jeden aus der Bahn werfen kann: mit einem Mal von der eingenommenen sozialen Sphäre ausgeschlossen zu werden.

Drinnen/draußen ist die allererste Unterscheidung, die soziale Schichten und die Teilhabe an dem definiert, was Gesellschaft genannt wird. Reinkommen, drinnenbleiben, herausfallen sind die drei sozialen Bewegungen, die das soziale Leben bestimmen. Bude möchte „aus persönlichen Problemen öffentliche Fragen“ machen. Er nennt seine Studie „ein Stück öffentlicher Soziologie“, die die „Öffentlichkeit in erster Linie über die gesellschaftlichen Verhältnisse aufklären“ möchte, „in denen wir leben“.

Die Grundanforderung an Eltern, wie sie dafür Sorge tragen können, dass ihre Kinder nicht einmal zu denen gehören werden, die aus ihrem Milieu fallen und von der Gesellschaft ausgeschlossen werden, liegt nach Winterhoff darin, dass sie ihren Kindern ein Verhalten antrainieren, das diese zu sozial kompatiblen Menschen macht. Insofern ergänzen sich die soziologische Vorstellung der Drinnen-Draußen-Realität und die pädagogische Vorstellung der Erzieher-Kind-Hierarchie, die für ein Leben in jener Wirklichkeit vorbereiten soll.

Wie man psychisch reift

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