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Prozess um Harry-Potter-Lexikon : Der Zaubergamot hat entschieden

Sein Nachschlagewerk darf nicht gedruckt werden: Steven Vander Ark, Betreiber der Website www.hp-lexicon.info Bild: REUTERS

Steven Vander Arks Online-Lexikon ist eine beliebte Website für Harry-Potter-Fans. Auch J. K. Rowling mochte sie. Als ein Verlag jedoch ein Buch daraus machen wollte, ging die Autorin vor Gericht. Jetzt hat ein New Yorker Gericht die Veröffentlichung untersagt.

          Sie hatte geweint, und er hatte geweint. Dabei haben die beiden Kontrahenten vor dem Bundesamtsgericht von Manhattan nicht etwa um den gemeinsamen Nachwuchs gekämpft, sondern um die Frage, wes Geistes Kind ein Buch sei, das er schreiben und sie verhindern wollte. Harry Potter, hatte Joanne K. Rowling dem Richter unter Tränen erklärt, bedeute ihr alles neben ihren Kindern. Und Steven Vander Ark, der, nachdem ihn Rowlings Klage erreicht hatte, eine frühe Stellungnahme mit „immer noch Jos Mann“ unterschrieben hatte, fühlt sich durch diesen Prozess aus der Fangemeinde des Jungzauberers ausgeschlossen.

          Dabei betreibt der fünfzig Jahre alte einstige Schulbibliothekar doch seit Jahren im Internet ein Harry-Potter-Lexikon, das unter www.hp-lexicon.info nicht nur für obsessive Leser, sondern zwischenzeitig auch für die Verfasserin der sieben Bände selbst zu einer gern genutzten Informationsquelle geworden war. Als der Verlag RDR Books aus Michigan jedoch auf dieser Grundlage ein gedrucktes Nachschlagewerk herausbringen wollte, klagte die Autorin. Am Montag urteilte Richter Robert Patterson in New York, das Lexikon übernehme zu viel von Rowlings kreativer Arbeit, untersagte die Veröffentlichung und sprach Rowling und dem zweiten Kläger Warner Bros. 6750 Dollar Schadensersatz zu.

          Auch die Website bringt stetes Geld

          Das ist eine überraschend geringe Summe, wenn man bedenkt, welchen Schaden die nach Schätzungen der „Sunday Times“ reichste Frau Englands beklagt hatte. Anstatt nur von Verstößen gegen das Urheberrecht zu sprechen, hatte Joanne K. Rowling nämlich erklärt, ein solches Lexikon entweihe ihr Werk. Allein die Publikationspläne bereiteten ihr „Stress und seelische Pein“ und hinderten sie am Schreiben. Sie wisse nicht, ob sie jetzt überhaupt noch die Kraft finde, das selbst geplante Lexikon zu schreiben.

          Dessen Erlöse hätten übrigens einem guten Zweck zukommen sollen, während die Autorin Vander Arks geplantes Druckwerk lediglich als Versuch wertete, mit anderer Leute Arbeit schnelles Geld zu machen. Dabei macht Steven Vander Ark auch jetzt schon mit seiner Website zumindest stetes Geld: Google plaziert gleich auf der Einstiegsseite inhaltlich passende Werbeschaltungen, und wer zufällig ein Buch kaufen möchte, wird zum Versandhändler Amazon weitergeleitet, der für solche Empfehlungen gemeinhin Provision zahlt.

          Nimm es nicht persönlich, Jo

          Ohne die erlittenen Seelenqualen weiter zu erwähnen, erklärte J. K. Rowling nach dem Urteil, sie sei vor Gericht gezogen, um das Recht aller Autoren zu verteidigen, ihr geistiges Werk zu schützen. Steven Vander Ark hingegen, von der „New York Times“ um einen Kommentar gebeten, hofft schlicht auf eine Gelegenheit, sich mit der immer noch verehrten Autorin aussprechen zu können. Man habe zwar einen Rechtsstreit geführt, es sei aber nichts Persönliches gewesen.

          Jetzt hofft Vander Ark, der inzwischen selbst als freier Schriftsteller arbeitet, zumindest mit seinem nächsten Buch nicht wieder vor den Zaubergamot gezerrt zu werden. Sein Reisebericht über Orte, die Schauplätzen der Harry-Potter-Abenteuer ähneln, soll kommenden Monat erscheinen. Den Zaubergamot beschreibt sein Online-Lexikon als höchste magische Instanz.

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