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Plagiatsvorwurf gegen „Tannöd“ : Andrea M. Schenkel: „Es geht nur ums Geld“

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Die Vorwürfe sind absurd: Andrea Maria Schenkel Bild: F.A.Z. - Jan Roeder

Mit ihrem Debütroman „Tannöd“ gelang Andrea Maria Schenkel überraschend der Sprung auf die Bestsellerlisten. Jetzt wirft ihr der Sachbuchautor Peter Leuschner vor, von ihm abgeschrieben zu haben. Im Gespräch mit der F.A.Z. weist Schenkel den Plagiatsvorwurf zurück.

          Was sagen sie zu den Plagiats-Vorwürfen des Herrn Leuschner?

          Diese Beschuldigungen sind absurd. Die Sache tut mir richtig weh. Ich kenne Peter Leuschner durch seine Bücher und habe deshalb mit ihm vor einiger Zeit Kontakt aufgenommen und ihn sogar einmal mit meinen zwei kleinen Kindern in seinem Schloss besucht. An diesem Tag habe ich mich mit ihm über mein Buch unterhalten, es war ein nettes Gespräch. Das war vor einem Jahr. Am Ende schenkte ich ihm eine Ausgabe von "Tannöd" und bedankte mich für den schönen Nachmittag. Seine jetzige Klageandrohung ist daher vor allem eine persönliche Enttäuschung.

          Wieso droht Herr Leuschner erst jetzt mit dieser Klage, wenn er das Buch bereits vor einem Jahr von Ihnen bekommen hat?

          Ich denke, Herrn Leuschner geht es nur um das Geld. Er kannte "Tannöd" bereits, bevor der Roman so oft verkauft wurde. Damals, als dieser Erfolg noch keineswegs abzusehen war, hatte er nichts gegen meine Darstellung der Geschichte einzuwenden. Und jetzt fordert er einen großen Teil der Bucherlöse für sich.

          Ihr Buch greift den historischen Mordfall von Hinterkaifeck auf. Haben Sie die beiden Sachbücher Peter Leuschners über diesen Fall für Ihre Recherchen benutzt?

          Ich habe zur Vorbereitung auf den Roman mehrere Sachbücher, unter anderem die des Herrn Leuschner, und Zeitungsartikel gelesen. Außerdem habe ich im Internet nach Material gesucht, und dort etwa neunhundert Hinweise zu dem Fall gefunden. Vor allem aber habe ich mich auf Fakten gestützt, die in den frei zugänglichen Akten im Augsburger Staatsarchiv zu finden sind. Die Erkenntnisse des Herrn Leuschner beruhen ebenfalls auf diesen Fakten, daher widersprechen sich meine und seine Schilderungen des Falles auch nicht. Deshalb aber zu behaupten, Figuren meines Buches entstammten eigentlich der Phantasie des Herrn Leuschner, ist lächerlich.

          Der Vorwurf bezieht sich nicht nur auf Figuren, sondern auch auf konkrete Einzelheiten des Buches, die Sie abgeschrieben haben sollen.

          Herr Leuschner wirft mir zum Beispiel vor, ich hätte von ihm die Idee, den Lehrer einer verschwundenen Schülerin mit der Klasse das Vaterunser beten zu lassen. Das ist absurd. Es gibt im bayerischen Staatsarchiv in Augsburg ein Vernehmungsprotokoll einer ehemaligen Mitschülerin der Cecilia Gruber, das ist das ermordete Mädchen im wahren Fall. Diese Mitschülerin gab an, dass damals eine Lehrerin das Gebet für die kleine Cecilia vorgeschlagen habe. Das ist alles in den Akten nachzulesen.

          Ihr zweites Buch soll demnächst erscheinen. Beruht es ebenfalls auf einem wahren Fall?

          Der Geschichte liegt wieder eine Begebenheit zu Grunde, die sich wirklich zugetragen hat. Ich habe wieder so viel Recherchematerial wie möglich gesucht. Den Titel "Kalteis" habe ich allerdings nicht aus Büchern oder Zeitungsartikeln, sondern zufällig bei einem Spaziergang im Friedhof entdeckt. Dieser Name stand auf einem Grabstein. Wahrscheinlich wird mich jetzt noch die Familie des Toten verklagen.

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