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Pippi Langstrumpfs Vater : Knallkuß aus einer fernen Welt

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Pippi Langstrumpfs Vater, ihre Stiefmutter und Halbschwester im wirklichen Leben Bild: List Verlag

Efraim Langstrumpf hieß eigentlich Carl Petterson und regierte als schwedischer König von Tabar. Pettersons wahre Geschichte diente Astrid Lindgren als Vorbild für die Figur von Pippis Vater.

          Nein, er hätte Carl Pettersons schöne Frau wirklich nicht so lange ansehen sollen: Der junge englische Offizier, der am Abend zuvor auf der kleinen Südseeinsel Tabar angelandet war, saß am Strand und betrachtete wohlwollend die schöne Königin des kleinen Reiches. Zu wohlwollend, fand König Carl und packte den verträumten Herrn aus England, trug ihn am ausgestreckten Arm ein wenig am Strand entlang und warf ihn schließlich in eine Hibiskus-Hecke, wo er ein Weilchen liegenblieb.

          Seine Untertanen nannten den König "Strong Charly", und sie wußten schon warum. Der Mann war ein Bär, und er kam aus Schweden. Weihnachten 1904 hatte er direkt vor dieser Insel, die zum Bismarck-Archipel von Deutsch-Neuguinea gehörte, Schiffbruch erlitten. Er war auf Rekrutierungsfahrt, um Arbeiter für eine Plantage anzuwerben, als das Unglück geschah. Mit letzter Not rettete er sich an den Strand und war sofort von den Inselbewohnern umringt. Es heißt, die seien zunächst nicht sehr freundlich gewesen. Kannibalismus war damals in jenen Weltregionen nicht unüblich, man bereitete schon einen leckeren Schweden-Topf, und Carl Pettersons Körperkraft war dieser Übermacht nicht gewachsen.

          König und Alleinherrscher

          Aber: die Liebe. Prinzessin Singdo, die Tochter des Königs Lamy, verliebte sich in den starken Schweden und dieser sich in sie. So blieb Carl Petterson der Kochtopf erspart. Aber mit der Zustimmung zur Heirat ließ sich König Lamy ein Jahr lang Zeit. Danach war Carl der Prinz der Insel und nach dem Tod des Schwiegervaters König und Alleinherrscher.

          In Schweden kannte in den dreißiger und vierziger Jahren beinahe jeder die Geschichte des Schweden-Königs auf der Südseeinsel. Und so kannte sie wohl auch Astrid Lindgren, die Carl Petterson zum Vorbild nahm für den großen "Negerkönig" Efraim Langstrumpf, den Vater von Pippi. Die Belege, die die beiden schwedischen Historiker Helena Regius und Joakim Langer in ihrem soeben auf deutsch erschienenen Buch "Pippi und der König" vorlegen, sind jedenfalls beeindruckend.

          Pferde trug er nicht

          Nein, er konnte wohl keine Pferde tragen, und er hatte auch keine Tochter, die Pferde tragen und ihren Vater mit einem Arm locker in die Luft werfen konnte, und wahrscheinlich hat er auch nie so einen schönen Briefschluß geschrieben wie diesen, mit dem Efraim seine Tochter zur Reise nach Taka-Tuka-Land unzweideutig einlud: "Weiter ist darüber nichts zu sagen. Du kommst - das ist mein königlicher und väterlicher Wille. Einen richtigen Knallkuß und viele herzliche Grüße sendet dir dein alter Vater. König Efraim I. Langstrumpf, Alleinherrscher über Taka-Tuka-Land."

          Diese Authentizität konnte also leider nicht bewiesen werden. Aber daß Efraim lebte, Plantagen besaß und bald ein neues Boot, seinen Schnupftabak auf Nachbarinseln kaufte und später sogar Gold gefunden hat auf seiner Insel, das ist bewiesen, und daß sein Leben in Krankheit und in Armut zu Ende ging, das wissen wir jetzt leider auch. Und daß er zurück wollte, nach Schweden, 1937, kurz vor seinem Tod, und leider nur nach Sydney kam, wo er heute begraben liegt. Das auch.

          Aber er war ein guter König. Das ist belegt. Und den übermütigen Engländer hat er zu Champagner eingeladen, am Tag nach seinem Hibiskus-Fall.

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