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Buchhandel in Leipzig : Dieser Mann begrub die Buchmesse

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Philipp Erasmus Reich, gemalt 1771/72 von Anton Graff Bild: Universität Leipzig

Er wurde „Fürst der Buchhändler“ genannt: Vor 250 Jahren traf Philipp Erasmus Reich eine Epochenentscheidung, die für Frankfurt eine Katastrophe und für Leipzig einen Triumph bedeutete.

          In der Woche vor Ostern 1764 packte der Leipziger Verleger Philipp Erasmus Reich sein Bücherlager in Frankfurt am Main zusammen. Am Karfreitag, dem 20. April 1764, schrieb er einem Freund: „Von den Frankfurter Messen nehme ich diesesmal Abschied.“ Kurz darauf bestieg er die Kutsche zurück nach Leipzig; die Bücherballen folgten. Am 12. Mai informierte Reich dann den kursächsischen Administrator Prinz Franz Xaver, der für seinen minderjährigen Neffen, den künftigen Kurfürsten Friedrich August III. regierte, über seine spektakuläre Entscheidung: „In der letzten Messe haben ich und verschiedene andere von dieser Stadt Abschied genommen und die Buchhändler-Messen sozusagen daselbst begraben.“

          Für die Entwicklung des deutschen Buch- und Verlagswesens bedeutete Reichs Abschied von Frankfurt einen gravierenden Einschnitt: Er markiert die Grenzscheide zwischen alter Zeit und Moderne. Für die nächsten 150 Jahre sollte Leipzig das unangefochtene Zentrum des deutschen und europäischen Buchhandels sein, bis zur Zerstörung des graphischen Viertels am 4. Dezember 1943 durch englische Bomben.

          Frankfurt im Schatten der geheimen Hauptstadt

          Der Abschied von Frankfurt ist als großer Bruch, ja sogar als bewusst von Reich herbeigeführte „Zerstörung“ der buchhändlerischen Einheit Deutschlands bezeichnet worden. Doch Reich hat die Messen, wie er selbst zu Recht schrieb, nur „sozusagen begraben“. Begraben wird nur, was bereits tot ist; umgebracht hat Reich die Frankfurter Buchhändlermesse nicht.

          Die Stadt am Main hatte schon seit langem an Bedeutung für den Buchhandel verloren. Den Anfängen, als Gutenbergs erste Bibeldrucke in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts über die Frankfurter Messen ihren Weg in die Welt gefunden hatten, war eine große Blütezeit gefolgt. Zweimal im Jahr trafen sich etwa 150 Buchhändler aus ganz Deutschland und weiten Teilen West- und Südeuropas am Main, um ihre Neuerscheinungen miteinander zu tauschen.

          Doch nach dem Dreißigjährigen Krieg konnte Frankfurt weder als Druck- und Verlagsort noch als Messeplatz an die goldenen Zeiten anknüpfen. Schon um 1680 hatte Leipzig die Freie Reichsstadt bei der Anzahl der Buchproduzenten wie der Neuerscheinungen überholt. Im Raum zwischen Hamburg, Berlin, Breslau, Jena, Halle und Göttingen entstanden die moderne deutsche Wissenschaft und die moderne deutsche Literatur. Sachsen war gleichermaßen das geographische Zentrum der Aufklärung wie ihre größte Triebkraft - mit Leipzig als geheimer Hauptstadt.

          Einst war Frankfurt Zentrum des Buchhandels, bis der „Fürst der Buchhändler“ die Buchmesse nach Leipzig brachte.

          Frankfurt dagegen schrumpfte zum lokalen Handelsplatz für einige west- und süddeutsche Buchhändler. Verzeichneten die Frankfurter Protokolle im April 1764 noch ganze 34 Firmen (davon allein dreizehn aus Frankfurt und seiner nächsten Umgebung), so registrierte das Leipziger Adressbuch des gleichen Jahres 154 auswärtige sowie 25 Leipziger Buchhändler, die an der Jubilatemesse im Mai teilnahmen - Tendenz von Jahr zu Jahr steigend.

          „Copy-and-paste“ auch im 18. Jahrhundert

          Philipp Erasmus Reich war nicht nur der Letzte, der die Messe verließ, sondern er war auch derjenige, der am längsten an ihr festgehalten hatte. Sein Engagement in und für Frankfurt - zu Zeiten, als sonst kein einziger Leipziger, Berliner oder Hamburger Buchhändler mehr an den Main reiste - hatte sowohl familiäre als auch geschäftliche Gründe.

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