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Peter Lückemeier liest im F.A.Z.-Foyer : Coco Chanel und der Sieg über den inneren Schweinehund

Lächeln tut gut: Peter Lückemeier und Nadia Schönfeldt Bild: F.A.Z. - Daniel Pilar

Wie man sich mit Fontane Zeit lässt, mit Dale Carnegie das Loben lernt, mit Thomas Mann die eigene Faulheit überwindet und sich mit Coco Chanel nichts gefallen lässt, verrät Peter Lückemeier in seinem neuen Buch „Von den Großen lernen“.

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          Wenn man darum kämpft, ein besserer Mensch zu werden, hilft der Beistand derer, die den Kampf schon bestanden haben. Früher waren das die Heiligen, aber die sind letzthin etwas aus der Mode gekommen. Menschen, an die man sich halten kann, gibt es jedoch noch immer. Einige von ihnen hat Peter Lückemeier in seinem neuen Buch versammelt. „Von den Großen lernen“ hat der Ressortleiter der Rhein-Main-Zeitung den Band genannt, aus dem er im Foyer des Redaktionsgebäudes las, zugunsten des Spendenprojekts „F.A.Z.-Leser helfen“.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ein Selbsthilfebuch, das den einzig gangbaren Weg zu Schönheit und Erfolg bahnt, ist das im Fischer Taschenbuch Verlag erschienene Werk nicht geworden. Dafür interessiert sich sein Autor zu sehr für die vielen verschiedenen Arten, auf die Menschen glücklich werden oder gar sie selbst sein können. Die zahlreichen Besucher der ausverkauften Lesung lernten daher auch sehr unterschiedliche Wege zur Erfüllung kennen – wie man sich mit Fontane Zeit lässt, mit Dale Carnegie das Loben lernt, mit Thomas Mann die eigene Faulheit überwindet und sich mit Coco Chanel nichts gefallen lässt. Unterstützt wurde Lückemeier von der jungen Schauspielerin Nadia Schönfeldt, die im Herbst ein festes Engagement am Hamburger Thalia Theater eingeht und im kurzärmeligen Top bewies, dass sie sich vor Chanels These, nichts verrate das Alter einer Frau eher als ihre nackten Oberarme, nicht zu fürchten brauchte.

          Wegweiser durch den Dschungel menschlicher Idiotien

          Chanel, die sich von der Insassin eines Waisenhauses zur Modeschöpferin emporarbeitete, die den Frauen das kleine Schwarze, den Modeschmuck und ein noch heute beliebtes Parfum schenkte, konnte am Ende bekennen, sie habe als erste so gelebt, wie es dem 20. Jahrhundert angemessen war. „Sich wehren“, folgerte Lückemeier, „tut gut“.

          Wehren müssen sich Menschen auf der Suche nach ihrem besseren Ich vor allem gegen einen Gegner, in dessen Zähmung Thomas Mann es zu großer Meisterschaft brachte. Er, der fleißig wurde, „weil er im Grunde faul“ war, schaffte, was nicht jedem gelingt – seinen inneren Schweinehund, „unser Spiegelbild, das in unseren Gemütskammern schlaff am Boden liegt“, an die Kette zu legen. Das ist gut so, denn das schlappe Tier ist ein falscher Freund: „Wir hören gern auf den inneren Schweinehund; er trifft ja auch immer den richtigen Ton.“ Ganz im Gegensatz zum schlechten Gewissen, das ein Spielverderber ist und deswegen immer leicht nörgelig klingt.

          Ob Coco Chanel einen inneren Schweinehund besaß, ist nicht überliefert. Wenn es ihn gab, war er vermutlich so gut dressiert wie der von Thomas Mann, sah aber viel eleganter aus. Den seinen zum Jagdhund trainiert hatte hingegen Selbsthilfeguru Carnegie. Dessen Bestseller „Wie man Freunde gewinnt“ bezeichnete Lückemeier als das „schreckliche Buch“, das es ist, entnahm ihm aber trotzdem einige kluge Sätz zum Wert reichlichen Lobs.

          Seine Zuhörer führte er durch einen „Dale-Carnegie-Crashkurs“; diejenigen Leser, die ihn bestanden haben – und das sind als kluge Köpfe natürlich alle – dürften die Hellerhofstraße mit dem festen Entschluss verlassen haben, sich von nun an mit Kritik zurückzuhalten, anderen gegenüber niemals an Anerkennung zu sparen und öfter zu lächeln als bisher. Denn so lautete die im F.A.Z.-Foyer gelassen ausgesprochene Wahrheit, die manchem nach verblüfftem Lachen ersichtlich zu denken gab: „Viele Menschen wissen gar nicht, wie ihr Alltagsgesicht aussieht.“

          Damit es nicht zu ernst wurde, gab es im Anschluss Kostproben aus dem Vorgängerbuch „Männer verstehen“ und ein paar „Herzblattgeschichten“ aus der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, sämtlich hilfreiche Wegweiser durch den Dschungel menschlicher Idiotien. Auch Männer und die Insassen der Knallpresse wollen schließlich verstanden und verbessert werden. Soweit möglich.

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