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Peter Hacks und Thomas Mann : Er gehört zu mir

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Unterschiedlicher können zwei Schriftsteller nicht sein. Dabei war die Lektüre von Peter Hacks für Thomas Mann ein regelrechtes Erweckungserlebnis: Sie handelte von ihm. Die Geschichte einer unwahrscheinlichen Verwandtschaft.

          Unser Bild von Hacks ruht auf unsicherer Grundlage. Der Geheimnisse und unbekannten Größen in seinem Leben und Schaffen sind viele. So scheint er 1955 am Ufer der Spree direkt am Schiffbauerdamm in einem Weidenkörbchen angetrieben worden zu sein, wo ihn Bertolt Brecht im Schilf fand, an Sohnes statt annahm und großzog. Man wusste wohl, dass der kleine Poet ein Vorleben gehabt hatte, gerüchteweise in München, aber die neuen Familienmitglieder sprachen nicht so gern darüber, und die alten vermieden lieber, über den Verlust zu sprechen.

          In seinem Todesjahr 2003 veröffentlichte Hacks unter dem Pseudonym Pasiphae einen Band Hacks-Anekdoten. Die erste Anekdote ist eine aus der frühesten Kindheit, auch die zweite betrifft nicht „Ziehvater“ Brecht, sie betrifft Thomas Mann. Seltsam. Ausgerechnet Thomas Mann! Erst die fünfte Anekdote kommt auf Brecht und schließt mit den Worten: „Es war dies das erste Mal, sagt Hacks, daß ich mehr Verstand zeigte als Brecht.“ Nicht eben eine Empfehlung. Sollte Hacks selbst seine Beziehung zu Mann wichtiger gewesen sein als die zu Brecht?

          Nebensächliche Nähe

          Beide scheinen sich ausschließende Gedankensphären zu vertreten, der Bürger Mann und der Kommunist Hacks. Die bestimmenden Philosophen für Mann waren Schopenhauer und Nietzsche, für Hacks waren es Kant und Hegel. Lebensverlauf, Bekenntnis, Ausbildung, Herkunft - alles liegt so offensichtlich konträr, und vor allem das Handwerk: Mann der Romancier, Hacks der Dramatiker, das sind vollkommen verschiedene Schaffenswelten.

          Gut, da ist Goethe, für den hatten beide eine stete Narrheit und für das, wofür Goethe immer steht: die Perpetuierung des Bürgerlichen durch die fortgesetzte Überwindung des Bürgerlichen. Der positive Bezug auf das Erbe der Klassik, auf den Humanismus, ihre fast aggressive Verteidigung, auch das eint. Die unbedingte Liebe zur Qualität mag man anführen, die Orientierung auf den gesellschaftlichen Erfolg, die Verachtung für die Klöterjahns und Hagenströms, den Ekel vor der Entbürgerlichung und das Haltungskünstlertum, das keine plötzlichen Ausbrüche der Kreativität duldet, sondern Kunst als Resultat disziplinierter Arbeit schafft. Auch hatten beide ähnliche Jugendticks, Mann war Dandy, Hacks ein „Swingbubi“. Beide entstammten starken bürgerlichen Dynastien, Mann der bekannten, Hacks einer profilierten Familie von Gelehrten.

          Von der Eindeutigkeit weltanschaulicher Zuordnung

          Es gibt Kuriositäten wie die, dass beide ihr schriftstellerisches Dasein mit einem anderen Ironiker antraten: Thomas Mann debütierte 1893 in der von ihm selbst herausgegebenen Schülerzeitung „Der Frühlingssturm“ mit dem Aufsatz „Heinrich Heine, der Gute“, Peter Hacks' erster gedruckter Text trug den Titel „Heinrich Heine“ und stand 1948 im „Obersdorfer Jugendecho“. Die Wohlinformierten wissen zu ergänzen, dass bei beiden die betonte Eindeutigkeit der weltanschaulichen Zuordnung nicht recht zuverlässig ist: dass es bei Mann, vor allem nach 1933, eine stete Inaugenscheinnahme der Möglichkeit Kommunismus gab, und bei Hacks inmitten des DDR-Sozialismus eine sehr deutliche „Ambivalenz des Bürgerlichen“ (Ingo Way).

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