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Peter Englund : Verkünder des Nobelpreises

  • -Aktualisiert am

Horace Engdahl (rechts) neben seinem Nachfolger Peter Englund Bild: picture-alliance/ dpa

Horace Engdahl stand für Egozentrik und Provokation, von seinem Nachfolger wird eine mäßigende Wirkung erwartet: Peter Englund, der neue Ständige Sekretär der Literaturnobelpreis-Jury, ist ein vielseitiger, angesehener Historiker, dessen Blick über die Grenzen von Akademien hinausgeht.

          Wie die Mitglieder der Schwedischen Akademie ist auch deren Ständiger Sekretär eigentlich auf Lebenszeit gewählt. Genau am zehnten Jahrestag seiner Wahl, im Juni kommenden Jahres, gibt Horace Engdahl indes sein Amt auf. Künftig wird dann das jüngste der achtzehn Akademiemitglieder, der Historiker Peter Englund, den jeweiligen Träger des Literaturnobelpreises in der Altstadt Stockholms bekanntgeben. Horace Engdahl, der nun übrigens nach Berlin umsiedeln möchte, wo seine Frau derzeit lehrt, war zumal für seine abschätzigen Äußerungen etwa zur „der europäischen Literatur unterlegenen“ amerikanischen Dichtung zuletzt sehr kritisiert worden. Er wolle arrogant sein, sagt er denn nun auch.

          Sein Nachfolger verbindet Tradition mit Offenheit. Der 51 Jahre alte Englund, seit 2002 Akademiemitglied und seit einem halben Jahr deren Direktor, lebt auf einem Bauernhof nahe Uppsala. In seiner Heimat wurde er 1988 bekannt mit einem Werk über eine Schlacht in der Ukraine, die schwerste Niederlage Schwedens. In Deutschland fand seine Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs, „Die Verwüstung Deutschlands“, vor zehn Jahren große Beachtung. Angefangen hat der Historiker als Journalist für eine Boulevardzeitung; wenig später begründete er mit Freunden eine Literaturzeitschrift.

          Englund hat Erfahrung mit dem Verfassen von Filmdrehbüchern und lehrte als Professor am Dramatischen Institut in Stockholm. Seine Offenheit für technische Neuerungen zeigt er nicht zuletzt mit seiner Blogseite. Oft geht es ihm in seinen Einträgen um die Themen Macht und Erinnerung. Dass er aus einer „ganz unakademischen Familie“ kommt, begreift er selbst als Vorteil – er sei nie mit Erwartungen belastet gewesen, was ihm Freiheit gab.

          Doch viele Publikationen und angesehene Preise hin oder her – Englund sagt, er sei nie zufrieden mit dem Erreichten. So strebte der Familienvater heraus aus der Hochschulwelt, die er als geschlossenes System betrachtet – erst als Analyst bei der Armee, dann als Kriegskorrespondent in Kroatien, Bosnien, Afghanistan und dem Irak. Gerade wegen dieser Vielfalt herrscht bei ihm strenge Ordnung; er nennt sich einen „Lustschreiber“ mit strikter Zeitdisziplin. Er trotzt Einflussversuchen auf die Akademie – vom Markt, der populäre Schriftsteller bedacht sehen wolle, und von der Linken, der sie zu selbständig sei. Nur in besonderen Fällen sollte sie sich politisch festlegen zu bedrängten Autoren. Englund ist zwar ein anerkannter Autor, mehr aber noch ein im Grunde melancholisch-pessimistischer Historiker. Das mag ihm helfen, ohne Eitelkeit zu schlichten bei der Wahl der Träger des noch immer angesehensten Literaturpreises der Welt.

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