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Penguin Random House : Die Zeit der Elefantenhochzeiten

Der neue Verlagsriese wächst weiter: Penguin Random House Bild: dpa

Die Großen der Branche rüsten sich mit Fusionen für das Digitalzeitalter: Bertelsmann will jetzt auch noch den spanischen Ableger von Mondadori übernehmen.

          Wenn Elefanten sich vermählen, wird viel Gras platt gedrückt. Das gilt gerade im Geschäft mit den Büchern, die zwar als Gattung widerständig und langlebig sind, im Einzelfall aber durchaus zarte Pflänzchen sein können. Als in der vergangenen Woche die Medienkonzerne Pearson und Bertelsmann ankündigten, ihre Buchsparten zur neuen Supergruppe Penguin Random House zusammenlegen zu wollen, war die Überraschung vielleicht nicht allseitig, aber doch so groß, dass die möglichen Auswirkungen dieses Zusammenschlusses die Branche weiter umtreiben.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Am Montag dieser Woche hat Bertelsmann dann noch einen draufgelegt und bekanntgegeben, man wolle noch vor Jahresende den spanischen Ableger Random House Mondadori - ein seit 2001 betriebenes Gemeinschaftsunternehmen mit dem italienischen Verlagshaus Mondadori - ganz übernehmen. Bertelsmann wolle damit seine Position im spanischen Markt erheblich verbessern und sich den Zugang zu den lateinamerikanischen Märkten sichern.

          Die Verlagsgruppe Random House Deutschland mit ihren mittlerweile fünfundvierzig Imprints bleibt außen vor; der deutschsprachige Markt hat - wie der französische - seine Eigentümlichkeiten. Branchenkenner vermuten, dass Bertelsmann die deutschen Verlage mit einem Jahresumsatz von zuletzt 318 Millionen Euro nicht in die Waagschale geworfen hat, weil sonst die Vertragsbalance mit Pearson nicht funktioniert hätte. So hat man sich bei annähernd fifty-fifty getroffen, in einigen Jahren will Bertelsmann den ganzen Brocken übernehmen. Den deutschen Verlagen versichert Markus Dohle, Vorstandsvorsitzender von Random House, Inc., auch weiterhin in ihre Entwicklung zu investieren und sie „auch künftig mit allen benötigten Ressourcen“ auszustatten, „um deren Marktposition in Deutschland zu stärken und weiter auszubauen“.

          Noch fehlt der Segen der Kartellbehörde

          Die Fusion soll zu Einsparungen genutzt werden - beim Druck und vor allem in der Logistik. Und sie soll einen selbstbewussteren Auftritt gegenüber dem Händler Amazon ermöglichen, der derzeit zwei Drittel aller E-Books in Amerika verkauft und dabei ist, sich selbst als Verleger zu etablieren. Die Großen der Branche rüsten sich also mit größeren Einheiten für das nun endlich angebrochene Digitalzeitalter. Diesem eilt Amerika voran, ob der Rest des Planeten seinem Tempo folgen wird, darf bezweifelt werden, verschiedene Geschwindigkeiten sind wahrscheinlicher. In den Vereinigten Staaten hat sich das Geschäft mit elektronischen Büchern in nur drei Jahren von 2008 bis 2011 um 3200 Prozent gesteigert, auf einen Umsatzerlös von 2,1 Milliarden Dollar im Jahr 2011.

          Ob der Zusammenschluss die Verlagswelt stärken wird, wie der Weltbild-Chef Carel Halff der „Wirtschaftswoche“ anvertraute, gar „den Lesern nutzen“ wird, ist freilich nicht ausgemacht. Zunächst einmal muss die Verbindung abgesegnet werden: von der amerikanischen Kartellbehörde. Da das Justizministerium ein Verfahren gegen Apple und fünf Verlagsgruppen wegen angeblicher Absprachen bei der Preisgestaltung von E-Books angestrengt hat, ist die Stimmung in Washington nicht allzu heiter. Obendrein will Penguin - wie auch Apple und Macmillan - weiter den Gerichtsweg zu beschreiten.

          Umkämpfte Mittelklasse

          Der neue Verlagsriese Penguin Random House könnte sich vom Kuchen des weltweiten Buchmarktes ein Viertel abschneiden. Gut möglich, dass die Erlöse künftig sinken, weil mit dem elektronischen Buch ein Preisverfall einhergeht, wie er viele Produkte im Netz begleitet. Auch wird das heikle Thema Piraterie, das die Musikindustrie schwer beschädigt hat, gern kleingeredet. Je mehr elektronische Bücher im Angebot sind, desto größer wird die Verlockung des Datenklaus sein, zumal der Aufwand im Vergleich zum illegalen Filmdownload minimal ist.

          Andrew Wylie, Literaturagent von globalem Zuschnitt, hat sich denn auch schon skeptisch darüber geäußert, was die Zukunft für die Autoren bereithalte. Nun hat Wylie so gut wie alles, was Rang und Namen hat, unter Vertrag; er muss sich also nicht fürchten. Enger könnte es jedoch für die Mittelklasse der Autoren werden, der im Zuge der kommenden Titelreduzierung die Ausmusterung droht - ebenso wie vielen Imprints. Mehr Blockbuster, mehr Uniformität und mehr Marketing bedeuten auch weniger Wettbewerb.

          Immerhin ist die Fusion ein Bekenntnis von Bertelsmann zum Stammgeschäft. Und es wäre nicht der erste Zusammenschluss, den die Gütersloher zum Erfolg führten. Als Bertelsmann 1998 zum großen Einkauf ansetzte, Random House übernahm und mit der Verlagsgruppe Bantam Doubleday Dell vereinte, war die Aufregung mindestens so groß wie in diesen Tagen.

          Intern ist erst einmal - vor möglichen Schmerzensschreien - Zeit für Euphorie. In einer Mail an die deutschen Mitarbeiter prophezeit Dohle, der Zusammenschluss werde zum „Vorteil aller Marktteilnehmer in unserem geliebten Buchgeschäft“ sein. Das verändert sich schneller als je zuvor. Im Augenblick kann es sich auf eines verlassen: Die Zeit der Elefantenhochzeiten ist noch nicht vorüber.

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