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Paul Michael Lützeler zum 70. : Der Weltgermanist

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Bild: picture-alliance / ZB

Er trägt die Gegenwartsbegeisterung ins Herzen Amerikas - und noch darüber hinaus: zum siebzigsten Geburtstag des Literaturwissenschaftlers Paul Michael Lützeler.

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          In seinem Büro an der Washington University in St. Louis hängen die Porträts der besten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur wie Trophäen an der Wand. Er hatte sie alle. Sie alle sind hier gewesen, im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten, am Max-Kade-Zentrum für deutschsprachige Gegenwartsliteratur und haben unterrichtet, aus ihren Werken gelesen, aus ihrer Werkstatt berichtet.

          So gegenwärtig wie hier, an diesem Institut in der Mitte Amerikas, ist die Literatur an kaum einer Universität im Heimatland der Germanistik. Und das nicht nur, weil die Literatur hier einmal im Jahr als sogenannter „writer in residence“ jeweils zwei Monate lang sozusagen persönlich vorbeikommt, sondern weil Paul Michael Lützeler hier seit vierzig Jahren lehrt. Und er in einer Weise an der deutschsprachigen Literatur der Gegenwart interessiert ist, dass sich das zwangsweise auch im Lehrplan widerspiegelt.

          Spezialisiert auf deutschsprachige Exilliteratur

          Er kam im niederrheinischen Doveren zur Welt, studierte in Berlin, Edinburgh, Wien und München, und als 1968 seine Kommilitonen auf die Straße gingen, wanderte er nach Amerika aus, schloss sein Studium an der Indiana University in Bloomington ab und ging dann nach Saint Louis, wo damals der Joseph-Roth-Forscher David Bronsen lehrte und der große Egon Schwarz, der auf abenteuerliche Weise sein Heimatland Österreich nach dem Anschluss an Deutschland verlassen hatte, über Südamerika in die Vereinigten Staaten emigriert war und 1964 die erste umfangreiche Textsammlung emigrierter Autoren herausgegeben hatte. Dass sich Lützeler hier auf deutschsprachige Exilliteratur spezialisierte, ist also nicht verwunderlich.

          Sein Lebensautor ist Hermann Broch, dessen Gesammelte Werke er herausgab und dessen Biographie er schrieb. Ein weiterer Schwerpunkt seines Forschens ist der literarische Europa-Diskurs, von den Romantikern bis in die Gegenwart. Lützeler schrieb: „Nicht die innereuropäische Staatenbalance, sondern das politische Gleichgewicht der Kontinente muss ins Zentrum der Bemühungen rücken.“

          Paul Michael Lützeler ist ein interkontinentaler Germanist. Es gibt wohl kaum einen deutschsprachigen Literaturwissenschaftler, der so viele Kontakte in alle Welt unterhält, persönlich und literarisch. Für die Germanistik ist Amerika der Rand. Dass von diesem Rand das Fach und die Literatur kräftig durchgelüftet wird, das ist vor allem das Verdienst des Reisegermanisten, des Menschen-, Bücher- und Diskursverknüpfers Paul Michael Lützeler, der heute seinen siebzigsten Geburtstag feiert, in St. Louis oder irgendwo in der Luft unterwegs von einem Kongress zum nächsten.

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