https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/papiermangel-setzt-buchbranche-unter-druck-18574274.html

Buchmarkt unter Druck : Papiermangel setzt der Buchbranche zu

Bücher werden immer teurer. Bild: dpa

Inflation, Energiekosten, Kaufzurückhaltung: Viele Verlage sind gezwungen, die Preise im neuen Jahr nochmals zu erhöhen.

          2 Min.

          Frohes neues Jahr? Für die hiesige Verlagswelt bedeutet der Jahreswechsel vor allem neue Herausforderungen. Papiermangel, Energiekosten, Kaufzurückhaltung – das alles drückt die Umsätze nach unten. Viele Verlage sind deshalb dazu gezwungen, die Preise aufs Neue zu erhöhen. „Angesichts des langen Vergnügens, das man sich damit erkauft, ist ein Buch noch immer eine sehr kostengünstige Investition“, zitiert die Deutsche Presseagentur zwar den Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Peter Kraus vom Cleff. Doch bis kurz vor dem Endspurt im Weihnachtsgeschäft sind die Branchenzahlen wenig ermutigend gewesen. Über alle Vertriebswege hinweg sank der Absatz in den ersten elf Monaten im Vergleich zum Vor-Pandemiejahr 2019 um 4,6 Prozent.

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Dass der Umsatz trotzdem um ein halbes Prozent wachsen konnte, liegt an der Erhöhung der Buchpreise, die die Verlage bereits in den zurückliegenden Monaten vorgenommen haben. Ausgleichen konnten sie die Kostensteigerungen damit allerdings längst nicht, wie Kraus vom Cleff berichtet. Der durchschnittliche Buchpreis stieg dem „Börsenblatt“ zufolge deutlich an: insgesamt um 4,9, in der Belletristik um 5,9 Prozent. Vor allem Kinder- und Jugendbücher wurden demnach deutlich teurer, Vorlesebücher um siebzehn, Bilderbücher um dreizehn Prozent. Wie schon im Vorjahr ist der entscheidende Kostenfaktor der gestiegene Papierpreis. Papier wird unter anderem deshalb knapp, weil laut Bundesverband Druck und Medien viele Hersteller inzwischen auf Kartonagen umgestellt hätten. Aufgrund dieser sowie der erhöhten Druckkosten hatten die Verlage im vorigen Jahr bereits Kostensteigerungen von gut fünfzig Prozent zu verkraften. Für 2023 rechnen sie noch einmal mit Mehrausgaben von bis zu dreißig Prozent.

          Neben den Verlagen haben auch die Buchhandlungen zu kämpfen. Beim stationären Handel ging der Absatz bis Ende November 2022 im Vergleich zur Zeit vor Corona um elf Prozent zurück. Der Umsatz sank trotz erhöhter Preise um 5,9 Prozent. Dass die Stimmung zum Jahreswechsel „getrübt“ sei, wie eine Umfrage des Bundesverbands Druck und Medien ergab, wundert daher nicht. Angesichts der Existenznöte wurde schon früher etwa eine Absenkung der Mehrwertsteuer für Bücher auf null Prozent gefordert, was allerdings großen Unternehmen mehr helfen würde als kleinen. Dass der Buchmarkt bereits vor der Pandemie in der Krise war, wird jetzt noch einmal ersichtlich. Zumal sich zum Papiermangel die Inflation hinzugesellt, die derzeit nicht wenige Käufer davon abhält, ihre Buchhandlung aufzusuchen. Dabei würden sie dort Bücher finden, die Aufschluss geben nicht nur über das toxische Wesen der Inflation, sondern eben auch darüber, was man als Einzelner dagegen tun kann. Auf Bücher zu verzichten kann nicht die Antwort sein.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sturmerprobt: Nancy Faeser fühlt sich für die doppelte Herausforderung als Bundesinnenministerin in Berlin und SPD-Spitzenkandidatin in Hessen gut gewappnet.

          Spitzenkandidatin für Hessen : Was Nancy Faeser antreibt

          Nancy Faeser ist Spitzenkandidatin der SPD für die Landtagswahl in Hessen. Doch wer ist die Frau, die Hessens erste Ministerpräsidentin werden will? Was sie antreibt – und wo sie möglicherweise an Grenzen stoßen wird.
          Ein Ballon schwebt a, 3. Februar über Columbia. Im Streit über einen großen chinesischen Ballon im amerikanischen Luftraum bleibt die US-Regierung bei ihren Spionagevorwürfen gegen Peking.

          Laut Pentagon : Weiterer möglicher Spionageballon gesichtet

          US-Außenminister Blinken kritisiert China scharf für den mutmaßlichen Spionageballon im Luftraum der USA. Peking weist die Vorwürfe zurück. Unterdessen wird ein zweiter Ballon gesichtet - über Lateinamerika.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.