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Oksana Robski : Die russische Venusfalle

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Die Liebe als zentrales Thema: Oksana Robski Bild: AP

Oksana Robski weiß, wie man sich reiche Männer angelt. Sie hat drei profitable Ehen hinter sich und schreibt darüber Bücher in einer Villa am Rand von Moskau. Das Porträt einer anmutigen Ideologin der zwischenmenschlichen Marktwirtschaft.

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          Was meinen Sie mit rein ökonomischem Kalkül? „Ich beschreibe einfach das Verhältnis von Mann und Frau. In Deutschland dürfte das ähnlich aussehen.“ Oksana Robski, die anmutige Ideologin der zwischenmenschlichen Marktwirtschaft, scheint das Erstaunen, das ihr Romandebüt „Babuschkas Töchter“ bei ausländischen Lesern auslöst, nicht zu verstehen.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

          Der Frauenthriller, der im vergangenen Jahr unter dem Titel „Casual“ erschien und ein Bestseller wurde, schildert den weiblichen Konkurrenzkampf in der Welt der Superreichen. Die Heldin, Witwe eines untreuen Mannes, den ein Killer niederstreckte, schwingt sich zur Rächerin auf, ist aber dabei vor allem eine kundige Führerin durch den Alltag auf dem Olymp der Rubljowka-Millionärsmeile westlich von Moskau. Über dreihundert Seiten durchwandert man mit ihr jenes Paradies, dessen Bewohnerinnen am Swimmingpool Cocktails schlürfen und dank Schönheitschirurg jedem Mann den Kopf verdrehen. Oksana Robskis Figuren, die sie aus diversen Zeitgenossen zusammengestückelt hat, wissen, wann ein unwiderstehliches Lächeln aufzusetzen ist. Ihr Auge erfasst sekundenschnell Designerkleidung und erkennt, welcher Mann eine Liebschaft wert ist. „Jede Frau wünscht sich einen Prinzen“, sagt Oksana Robski und setzt dabei ihren Kinderblick auf. Vermögen kann da natürlich nicht schaden. Für Amerikaner sei das längst ein Allgemeinplatz.

          Popliterarische Diagnostikerin

          „Dass ihr Journalisten euch immer an den russischen Reichen festbeißt!“, stöhnt Oksana Robski raubkatzenträge. Große Vermögen seien nun mal Teil des modernen Lebens. In Russland entstanden sie nur etwas plötzlich. Zum Gespräch ist die schöne Oksana im schwarzen Armani-Jäckchen erschienen. Passend zum transparenten Natur-Make-up trägt sie einen harzig-holzigen Duft aus dem Pariser Exklusiv-Labor von Frederico Male. Sie bevorzuge geschlechtsneutrale Aromen, bekennt die Gruppenporträtistin der herrschenden Klasse in ihrem Land. Ihre unsentimentale Beobachtungsgabe prädestiniert Oksana Robski, die sich das Schreibhandwerk beim Universitätsstudium antrainierte, auch zur popliterarischen Diagnostikerin.

          Der Roman „Babuschkas Töchter“, bei dem Moskauer Literaten die Hand eines Ghostwriters wittern, kredenzt sozialanatomische Studien als süßscharfes Tränen- und Pistolengenre. Die Heldin, die den lebenden Gatten verlassen wollte, entflammt zum Toten in Leidenschaft und verwandelt sich in eine Nemesis-Furie. Die Liebe sei ihr zentrales Thema, sagt Frau Robski. In der attraktiven Ich-Figur ihres Elitekrimis weckt die Liebe eine Art weiblichen Dschingis Khan. Weil sie erste Schuldvermutungen nicht überprüft, erledigt ihr Rachekiller einen Unschuldigen. Ihre Nebenbuhlerin, die vermeintlich das Kind des Toten im Leib trägt, macht sie sich durch Wohltaten untertan. In Gefahr, ihre schicke Villa an der Rubljowka-Chaussee zu verlieren, gründet sie eine Molke-Kosmetik-Firma und lernt nebenbei, mit erpresserischen Beamten und verräterischen Mitarbeitern umzugehen. Dass sie damit über die klassische Frauensphäre hinauswächst, merkt Robskis Alter Ego, als sie sich als Geschäftsfrau erstmals von Männern ernst genommen fühlt.

          Untreue und Schläge

          Freilich, auch das „unernste“ Dasein als Gefährtin eines Rubljowka-Prinzen ist ein hartes Geschäft. Robskis Grazien ertragen Untreue oder Schläge des Mannes, bemühen sich, ihm Nachkommen zu schenken, und müssen ständig fürchten, ihn an eine andere zu verlieren. Einer hoffnungsvollen Braut, die romantische Bande zu einem Möbelunternehmer knüpft, raten Freundinnen, sich sofort die Wohnung von ihm einrichten zu lassen.

          Mit ihrem Büchlein, über das Intellektuelle die Nase rümpfen, wurde Oksana Robski zum Macchiavelli der russischen Erotik. Der Skandal liegt darin, dass sie ausspricht, was fast alle tun. Tatsächlich halten sich Russlands Superreiche eine oder mehrere Geliebte am liebsten wie Spielzeug, weiß Marcello Prospato, professioneller Moskauer Millionärsberater aus Italien. Die Mädchen müssen jederzeit abrufbar sein und alle Launen bedienen, sagt Marcello, wobei er missbilligend über seine Schützlinge den Kopf schüttelt. Dafür können sie ihm fast jedes kostspielige Geschenk abknöpfen. Westliche Verehrer der russischen Venus klagen oft, eine neue Freundin würde ihnen sofort lange Wunschlisten vorlegen. Oksana Robski ist unbeeindruckt. „Solche Männer bekommen, was sie verdienen. Ich würde diese Leute fragen, wo sie ihre Damenbekanntschaften machen. Sicher nicht im Puschkin-Museum.“

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