https://www.faz.net/-gqz-9uaev

Nobelpreisverleihung an Handke : Dem König so nah

Peter Handke bei seiner Dankesrede für den diesjährigen Nobelpreis. Bild: Reuters

Nach all dem Trubel um Peter Handke war für die Nobelpreisverleihung und das anschließende Bankett einiges befürchtet worden. Es kam anders, wurde aber auch skurril.

          4 Min.

          Unglaublich, aber wahr: Dies ist ein Artikel zum Nobelpreis 2019 weitgehend ohne Peter Handke. Denn am Dienstag in Stockholm sagte der österreichische Schriftsteller bei der Preisverleihung und dem anschließenden Galabankett so gut wie nichts, und auch die Proteste gegen seine Auszeichnungen waren leiser als befürchtet ausgefallen; gerade einmal vierhundert Menschen versammelten sich zu einer Demonstration, und das auch noch weit entfernt vom Konzerthaus, wo nachmittags die Preisvergabe stattfand, und dem Rathaus als Ort des abendlichen Banketts.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Dagegen saß der Berichterstatter für die F.A.Z. genau gegenüber vom schwedischen König. Allerdings etwa zehn Meter höher, auf dem zweiten Balkon des Konzerthauses, und wenn man ehrlich sein soll, ging der Blick nur dann direkt auf Carl XVI. Gustaf, wenn man sich nach rechts neigte, um an einer Säule vorbeizuschielen. Von diesen Stützen gibt es insgesamt achtzehn im Konzerthaus und dementsprechend ebenso viele Plätze mit radikal eingeschränktem Blick.

          Wim Wenders zu Gast in Stockholm

          Nun glaube aber niemand, die durch den weltweiten Streit um Handkes Auszeichnung gebeutelte Nobelpreisstiftung habe aus Rache jeweils nur Journalisten hinter den Säulen plaziert. Hinter einer anderen saß etwa Wim Wenders, zu Gast in Stockholm, weil er das Drehbuch zu einem seiner schönsten Filme, „Der Himmel über Berlin“, Peter Handke verdankt. Die entsprechende Sympathie für den Preisträger nutzte Wenders bei der Platzvergabe nichts. Als Filmregisseur machte er indes das Beste daraus und drehte sofort ein Handy-Video von seinem Platz: erst scheinbar freier Blick auf die Bühne, aber dann ein kleiner Schwenk rückwärts, und schon war nur noch Säule im Bild. Als Wenders seine Dokumentation vorführte, war der Trost groß.

          Die Preisverleihung ist eine minutiös geplante und dennoch eher zähe Veranstaltung, weil alles über eineinviertel Stunden hinweg immer gleich abläuft: Ein Laudator aus den jeweiligen Nobelpreiskomitees für Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Wirtschaft tritt auf und spricht fünf Minuten lang über die Leistungen der in seiner Sparte Ausgezeichneten. Da es diesmal zwei Literaturpreisträger gab, Olga Tokarczuk für das Jahr 2018 und Handke für 2019, kamen aus der Schwedischen Akademie gleich zwei Mitglieder zu Wort. Das wirkte etwas seltsam, weil in allen anderen Sparten jeweils drei Personen geehrt wurden, die aber dennoch nur je eine gemeinsame Rede bekamen, weil ihre Leistungen sich ergänzten. Tokarczuk und Handke dagegen verbindet bis auf ihre literarische Qualität nichts, also wurden sie auch einzeln gewürdigt.

          König Carl Gustaf von Schweden und die polnische Autorin und Nobelpreisgewinnerin aus dem Jahr 2018, Olga Tokarczuk.

          Nach jeder solchen Begründung treten die Preisträger einzeln vor und bekommen vom König Urkunde und Nobelpreismedaille überreicht. Kurzes Händeschütteln, dann Verbeugung vor dem König, zur rückwärtigen Bühne hin, wo die Auswahlkomitees sitzen, dann noch einmal ein Diener zum Publikum, Applaus der Anwesenden, und das war’s. Pro Disziplin braucht man dazu keine zehn Minuten, auf die 75 Minuten Gesamtdauer kommt man durch Musik, darunter zu Beginn die schwedische Königs- und zum Abschluss die Nationalhymne – jeweils von den Musikern des Königlichen Philharmonischen Orchesters Stockholm im Stehen vorgetragen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mitglieder der chinesischen Führung verneigen sich am Samstag im Gedenken an die im Kampf gegen das Coronavirus Verstorbenen.

          Totengedenken in China : Die Ahnen per Livestream ehren

          Nach Wochen des Ausnahmezustands sehnen die Chinesen sich nach Normalität. Die Regierung lässt das aber nur streng dosiert zu – denn ihre Prioritäten sind andere: die Partei und die Wirtschaft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.