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Nobelpreis : Unsere Elfie

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Viele Blumen für Elfriede Jelinek Bild: REUTERS

Was Elfriede Jelinek selbst befürchtete, hat sich bewahrheitet: Den Literaturnobelpreis, den sie erhalten hat, reklamieren viele in Österreich nun für sich. Nur Haiders FPÖ und die Kronenzeitung gratulierten nicht.

          Zwei blieben im Jubel und Trubel ungerührt: die FPÖ des Jörg Haider und die Kronenzeitung. "Wie titelt die Krone morgen?", fragte der "Kurier" auf seiner Online-Seite am Donnerstagnachmittag, und schon am Abend hatte der "Standard" recherchiert, wie schwer sich das Boulevardblatt bei der Berichterstattung über den Nobelpreis an seine "Lieblingsfeindin Elfriede Jelinek" tut.

          "Unsere Elfie holte Gold für Österreich!", wie die "Kleine Zeitung" voraussagte, stand am Freitag nicht auf dem Titel, aber einen klitzekleinen Jelinek-Hinweis brachte die "Krone" gestern doch noch auf der ersten Seite unter; die Schlagzeile machte sie freilich lieber mit der aufrüttelnden Zeile "Führerschein kann schnell weg sein!" Wer die Kronenzeitung kennt, konnte das auch erwarten, denn über das, was diesem Medium nicht ins Konzept paßt, hat der Österreicher noch nie viel erfahren. Wer wüßte das besser als die von dieser Zeitung immer wieder fies attackierte Elfriede Jelinek, die ihrerseits deren Strukturen auch in einem großen Essay messerscharf analysiert hat.

          Und auch die Freiheitliche Partei reagierte nicht eben erfreut: Zwei Seelen wohnten, ach, in ihrer Brust, sprach deren Kultursprecherin säuselnd-ironisch, sie wolle ja die allgemeine Feierstimmung nicht trüben, doch dürfe dabei nicht vergessen werden, daß Elfriede Jelinek Österreich seit Jahren genußvoll in den Dreck ziehe. Haider konnte seinen Mitteilungsdrang ebenfalls nicht zügeln und gab bekannt: "Eine kommunistische Schriftstellerin bekommt von mir keine Blumen." Darauf wird Elfriede Jelinek auch nicht gewartet haben.

          Ansonsten herrscht seit dem österreichischen Nobelpreistag eine Stimmung nach dem Motto: Der Erfolg hat viele Väter. Gratulationen von Politikern fast aller Couleurs. "Elfriede Jelinek gräbt stetig nach den Wurzeln unserer österreichischen Geschichte", dichtete der Bundeskanzler, und die Stockholmer Ehrung "soll und darf ihrer Kritik nicht den Stachel nehmen".

          Sein Wort in Jelineks Ohr. Sie hat sich zurückgezogen - wie auch Friederike Mayröcker, die für diesen Nobelpreis ebenfalls im Gespräch war. "Meine Stellungnahme besteht aus zwei Worten", sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung, nämlich: "Kein Kommentar". Auf den Vorschlag, sie könnte ja auch gratulieren, sagt die Grande Dame der österreichischen Literatur noch leise: "So selbstlos bin ich nicht."

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