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Neues Buch von Jaron Lanier : Alle sollen ihre Daten so teuer wie möglich verkaufen

Der Seiltänzer mit der Mundorgel: Jaron Lanier Bild: Picture-Alliance

In seinem neuen Buch erweist sich Jaron Lanier als eine Art Schwejk des digitalen Zeitalters und verrät, wie sein Widerstand gegen das Silicon Valley ins Rollen kam. Nur sein Lösungskonzept überzeugt nicht.

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          Das Katz-und-Maus-Spiel, das sich Jaron Lanier nun schon seit Jahren mit dem Silicon Valley liefert und das sich jetzt in einem neuen Sammelband mit seinen Aufsätzen und Interviews aus den Jahren 1984 bis 2014 nachvollziehen lässt, ist ebenso widersprüchlich wie lehrreich. Einerseits hat Lanier, einer der wichtigsten Erfinder der IT-Branche, eine Firma an Google verkauft und arbeitet in der Entwicklungsabteilung von Microsoft; in seiner Rede bei der Entgegennahme des Friedenspreises des deutschen Buchhandels für das Jahr 2014, die den Sammelband eröffnet, bekennt er sogar, Sympathie für Technologiekonzerne zu haben, weil sie seine Erfindungen zu schätzen wüssten.

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Auch macht er an anderer Stelle keinen Hehl daraus, dass die von ihm maßgeblich geprägte „Virtuelle Realität“ wohl von Anfang an militärisch genutzt wurde, und fasst all dies in der etwas kryptischen Feststellung zusammen, die großen Konzerne und er dürften „einander keiner Reinheitsprüfung unterziehen“. Andererseits aber ist Lanier ihr scharfer Kritiker, rückt Google in die Nähe von Schutzgelderpressern und bezichtigt Amazon der Überwachungsökonomie.

          Loyale Opposition gegenüber Konzernen

          Während sich viele heutige Big-Data-Kritiker noch vom digitalen Glanz Kaliforniens blenden ließen, machte Lanier bereits zur Jahrtausendwende als einer der Ersten darauf aufmerksam, dass Google und Facebook außer ihren ausgefeilten Rechenoperationen nicht viel zu bieten hätten, wären da nicht die Millionen von Nutzern und Website-Betreibern, die mit ihren Informationen, Audios und Bildern das Internet und damit auch seine größten Datensammler am Laufen hielten. Seltsamerweise stellen die eigentlichen Produzenten aber kaum Forderungen. Dass die Sharing Economy mit ihrem kumpelhaften Sirenengesang des geteilten Wohlstands dieses einseitige Nutznießertum lediglich bemänteln soll - auf lange Sicht führt es zu Monopolbildungen -, hat Lanier ebenfalls früh durchschaut.

          Und er geht noch einen Schritt weiter: Big Data zwinge die Gesellschaft zunehmend, „Risiken zu übernehmen, von denen nur einige wenige profitieren“. Das wiederum führe in letzter Konsequenz zu Austerität und dem Verlust von Arbeitsplätzen. In solchen Momenten sind seine Ergebenheitsadressen an die moderne Technik und ihre Ermöglicher vom Tisch gefegt. Laniers Vorgehen hat etwas Schwejkhaftes („Es lebe Kaiser Franz Josef I.!“): Sein Wort hätte ohne Standbein in Silicon Valley nicht die gleiche Durchschlagskraft, sein Ideal scheint das einer „loyale(n) Opposition“ gegenüber Großinstitutionen zu sein, wobei er ein chaotisches, destabilisierendes Moment dadurch einzuführen versucht, dass er ein ganzes „Knäuel“ solcher Loyalitäten anrät.

          Dadurch könne man die Institutionen zwingen, sich gegenseitig in Schach zu halten. Zeitgleich umworben von Sergey Brin und Bill Gates, entschied er sich nach eigener Aussage für Letzteren als Arbeitgeber, weil dieser ihm angeblich zugesichert habe, dass es Microsoft gleichgültig sei, was er in der Öffentlichkeit von sich gebe. Zu Microsoft schreibt Lanier dann übrigens, dass dem Unternehmen die staatliche Regulierung der vergangenen Jahre nur gutgetan habe.

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