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Ayaan Hirsi Ali : Der Dschihad bedroht das islamische Haus

Ihre Analyse der Hemmnisse für eine Reform, die der Islam in sich trägt, ist kurz und bündig: Der Koran als letztgültiges Gotteswort brauche eine historisch-kritische Interpretation wie die heiligen Bücher der anderen großen Religionen, die sich vom Islam nicht nur dadurch unterscheiden. Zweitens müsse die Überhöhung des Jenseits als Lebensziel durch ein anderes Menschenbild ersetzt werden. Die Jenseitsverklärung nütze nicht nur todbringenden Milizen, sondern fördere auch fortschrittshemmenden Fatalismus gegenüber dem irdischen Leben. Die Scharia, die sich über geltendes Recht stelle, ermögliche Menschenrechtsverletzungen, und die erstickenden Regeln für den Alltag diskriminierten nicht nur Frauen, sondern auch Andersgläubige und Minderheiten wie Homosexuelle. Schließlich bremse das Konzept des Dschihad. Die Reformthesen Hirsi Alis zielen darauf ab, diese antimodernen Konzepte so abzuwandeln, dass sie muslimisches Leben „mit der Welt des 21.Jahrhunderts“ versöhnen.

Kritik am kraftlosen Relativismus

Ayaan Hirsi Ali schreibt über die Zustände und Umstände des Islams seit fast anderthalb Jahrzehnten. Für ihre deutliche Kritik hassen sie die einen und bedrohen ihr Leben, während andere sich darin gefallen, die schwere Kindheit und Jugend der Autorin dafür verantwortlich zu machen, dass sie immer schon vor dem gewarnt hat, was inzwischen blutige Realität geworden ist. Ihre biographischen Reflexionen führen uns noch einmal vor, wie blind und feige sich viele, die es besser wissen müssten, an ihrer Kritik abgearbeitet haben. Sie geißelt islamische Frauen-Apartheid, deren Bekämpfung mehr Engagement verdiene in der aufgeklärten Welt, und den „kraftlosen Relativismus“ westlicher Eliten, die Menschen wie sie als öffentliche Ruhestörer diskreditierten, deren Ignoranz Unterdrückung hinnehme und die soziale Kontrolle islamischer Sittenwächter erst ermögliche.

Mutig wie immer durchbricht Hirsi Ali das schematische Muster für Islamismuserklärungen. Sie besteht darauf, dass Extremisten den Islam nicht einfach „gekapert“ haben für ihre unguten Zwecke, sondern dass dieser Religionskrieg ein Teil des unhinterfragten islamischen Großkonzeptes sei, das auch darum eine grundstürzende Reform brauche.

Anders als in der hiesigen Terrordebatte beschreibt sie keine armen Jungen, die, weil perspektivlos und „Opfer des Internets“, dem IS in die Arme getrieben würden. Nein, das sei zu einfach. Sie erzählt von jungen muslimischen Amerikanern aus gutbürgerlichem Haus, in privaten Islamschulen erzogen, die sich voller Überzeugung und aus Verachtung für Freiheitswerte dem Dschihad verschrieben. Darunter der Propagandachef des IS, ein syrisch-amerikanischer Doppelbürger, Elitestudent wie auch eine Wissenschaftlerin vom MIT, die als „Lady Al Qaida“ bekannt wurde und jetzt eine lebenslange Haftstrafe verbüßt. Die Präventionsprogramme in Europa überstehen Hirsi Alis Evaluation allesamt nicht, vor allem macht sie auf eine noch unbekannte Seite der Terroristenwerbung aufmerksam: auf jene muslimischen Jungen, die sich verweigern und darum sogleich „Opfer physischer und virtueller Einschüchterung“ werden.

Zum Schluss zieht Ayaan Hirsi Ali einen kühnen Vergleich zu Dissidenten wie Václav Havel oder Andrej Sacharow, die einen Wandel vorbereiteten, den damals viele für undenkbar hielten. Sie tut dies, um eine lange Liste von Dissidenten des Islams aufzuzählen, die unseren Schutz und unsere Empathie brauchten, auch wenn diese Gruppe noch klein und in vielen Punkten uneins sei: Nur so könne der Islam eine Religion des Friedens werden.

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