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Neues Buch über den „Caudillo“ : Francos Frau ließ sehr viel beten

  • -Aktualisiert am

Hitler und Franco trauten einander nicht über den Weg - und trafen sich nur ein einziges Mal Bild: AP

Hitler zeigte gegenüber Franco nicht die Herzlichkeit, die dieser an Mussolini so schätzte. Jetzt erinnert sich die Tochter des „Caudillos“ in ihrem Buch „Franco - mein Vater“ daran, wie es war, als die Diktatoren sich das einzige Mal trafen.

          Der deutsche „Führer“ und der spanische „Caudillo“ begegneten sich ein einziges Mal: am 23. Oktober 1940 auf einem Bahnhof hinter der französischen Grenze in Hendaye. Franco kam mit seinem Bummelzug zu spät, und Hitler, der ohnehin nicht viel von dem „kleinen dicken“ Generalissimus hielt, sah sich in seiner unvorteilhaften Meinung bestätigt. Erschwerend kam hinzu, dass Franco, der zu Hause gerade einen verheerenden Bürgerkrieg siegreich überstanden hatte, keinerlei Anstalten machte, Hitlers Drängen nachzugeben und auf seiner Seite in den Zweiten Weltkrieg einzutreten. Das Zusammentreffen endete also trotz der lächelnden Mienen der beiden Faschisten nicht als Männerfreundschaft.

          Achtundsechzig Jahre später überrascht Carmen Franco, die einzige Tochter des Diktators, nun in ihren Erinnerungen an jene Begegnung mit der Nachricht, dass „Papa“ nicht nur befürchtet habe, von Hitler entführt zu werden, sondern sich auf diesen Fall auch mit der Einsetzung eines Triumvirats in Madrid vorbereitete. Einer der drei Vertrauten sei der General Muñoz Grandes gewesen. An die beiden anderen erinnert sie sich nicht. Ihr Vater habe ihnen aber einen verschlossenen Brief mit Instruktionen hinterlassen.

          Dem Deutschen traute er alles zu

          Die inzwischen 82 Jahre alte Tochter, die seit Francos Tod im Jahr 1975 Stillschweigen bewahrte, hat sich nun den Historikern Jesús Palacios und Stanley G. Payne anvertraut. Ihr gemeinsames Buch „Franco - mein Vater“ erscheint an diesem Freitag im Verlag La Esfera de los Libros. Erste Auszüge veröffentlichte am Donnerstag die spanische Zeitung „El Mundo“. Sie stellte dabei die Zusammenkunft von Hendaye mit der Reminiszenz in den Vordergrund, dass Franco - gewärtig, wie es einst Carlos IV. bei Napoleon ergangen war - dem Deutschen alles zutraute: „Als mein Vater zu Hitler ging, ließ er für den Fall, dass man ihn entführte, drei Personen zurück.“ Und warum sollte Hitler ihn entführen wollen? Weil er vielleicht dachte: „Diesen lästigen spanischen Militär schaff ich aus dem Weg und überzeuge so besser die anderen.“

          Franco hatte aus Vorsicht auch seine Frau und Tochter im Pardo-Palast zurückgelassen. So beschloss die Mutter an jenem schicksalhaften Tag, „dass man sehr viel beten müsse“. Dass Franco mit Absicht zu spät kam, weil er „Hitler nervös machen wollte“, bestreitet die Memoirenschreiberin. Der Zug sei einfach auf der schwierigen und halb zerstörten Bahnlinie nicht schnell genug vorangekommen. Als man sich dann endlich gegenübergestanden habe, habe ihr Vater - im Gegensatz zu seinem hitlerfreundlichen Außenminister Serrano Suñer - von dem Deutschen keinen besonders einnehmenden Eindruck gewonnen. Dieser sei doch in jeder Hinsicht „sehr anders“ gewesen. Keine Spur von „der Herzlichkeit etwa mit Mussolini“.

          „Alle sollten Amen sagen“

          Dass die deutsche Armee Frankreich so schnell überrannte, habe Franco hingegen imponiert. Den Franzosen, so seine Tochter, sei er ohnehin nicht grün gewesen, weil diese schon im Bürgerkrieg zu der Regierung der Zweiten Republik gehalten hätten. Die Invasion im katholischen Polen hielt der gläubige Franco allerdings für einen „Irrtum“. Als keinen Irrtum befand er hingegen die Entsendung der Blauen Division als Hilfstruppe für Hitler nach Russland, weil „mein Vater ein richtiger Antikommunist war“. Aus diesem Grund missfiel ihm bei aller Bewunderung für die großzügigen Amerikaner des Marshall-Plans auch deren Präsident Franklin Roosevelt, dessen Frau „sehr kommunistenfreundlich“ gewesen sei. Mit Churchill habe man schon eine bessere Beziehung gehabt, dank insbesondere auch des Botschafters in London, des tüchtigen Herzogs von Alba.

          Unter den Fundstücken in Carmen Francos historischen Erinnerungen ist auch eine an den Madrider Zwischenstopp Evita Peróns vor der Weiterreise in den Vatikan. Die Frau des argentinischen Diktators habe ihrem Vater die Notizen darüber gezeigt, was sie dem Heiligen Vater sagen wollte. Den genauen Inhalt kannte sie nicht, aber die Reaktion Francos: „Das ist ja furchtbar. Wie kannst du so etwas zum Papst sagen wollen. Nein, nein, sag es ihm, aber viel sanfter.“ Evita gewann gleichwohl das Herz der kleinen Carmen, die die freundliche Blonde aus Übersee zu ihrer Blondheit mit dem Satz beglückwünschte: „Huh, ich bin schwärzer als du. Ich färbe mich nur.“

          In einem Punkt, so hält die Tochter nun für die Nachwelt fest, verstand der von ihr als leutselig, listig und bedächtig geschilderte Vater indes keinen Spaß: „Wenn Papa einmal eine Sache gesagt hatte, dann wollte er, dass alle Amen sagten.“

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