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Neues Asterix-Album : Asterix der Plagiator

Das vorläufige Cover zum im Oktober erscheinenden neuen Asterix-Band Bild: dpa

„Asterix und der Greif“ soll das für Oktober angekündigte neue Album heißen. Was man vom Inhalt weiß, zeigt, dass kräftig bei „Tim und Struppi“ geklaut wird.

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          Der 29. Oktober 1959 war ein Donnerstag und der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte, denn damals erschien in Frankreich das erste Heft des Comicmagazins „Pilote“, und darin debütierte Asterix, jener kleine gallische Krieger, der zum Inbegriff des französischen Comics werden sollte. Der Donnerstag war damals aber auch der wöchentliche Erscheinungstag von „Tintin“, einem längst etablierten Comicmagazin, in dem die Abenteuer von Tim und Struppi liefen, bis dahin das Aushängeschild dieser Kunstform. Im Herbst 1959 stand in „Tintin“ gerade die Geschichte „Tim in Tibet“ vor dem Abschluss, die eindrucksvollste Erzählung des Zeichners Hergé, der darin eine tiefe persönliche Krise verarbeitete, indem er sie auf seinen Helden übertrug.

          Die nächste Krise aber kündigte sich mit Asterix schon an: Dass diese Konkurrenz seinen Tim aus der Lesergunst des französischen Publikums verdrängte, hat Hergé nie verwunden. Und das Tempo bei der Publikation neuer Abenteuer, das die Asterix-Väter René Goscinny und Albert Uderzo in den nächsten Jahren vorlegten, ließ Hergé erst recht erstarren. Bis zu seinem Tod 1983 stellte er nur noch drei weitere „Tim und Struppi“-Alben fertig, „Asterix“ brachte es im gleichen Zeitraum auf sechsundzwanzig.

          Ist das eine Hommage oder einfach Diebstahl?

          So ging es auch danach weiter. Während es nach dem Tod seines Schöpfers keine neuen Abenteuer für Tim mehr gab, ist für den kommenden Herbst von den gegenwärtigen „Asterix“-Machern Jean-Yves Ferri und Didier Conrad das neununddreißigste Album angekündigt. Sein Titel wurde gestern bekanntgegeben: „Asterix und der Greif“. Zum Inhalt ist bislang nur so viel bekannt, dass der Druide Miraculix während einer Schachpartie einnickt und aus einem Traum hochschreckt, der ihm einen alten Freund in höchster Gefahr gezeigt hat. Asterix und Obelix begeben sich auf die Suche nach diesem Freund und treffen dabei auf das Fabelwesen, das der Titel verheißt.

          Hergé dürfte bei dieser Ankündigung in seinem Brüsseler Grab rotiert sein: Nicht nur dass Asterix seinem Tim dessen Platz in den Herzen der Leser gestohlen hat, nun stehlen Ferri und Conrad auch noch seine Handlungsideen. „Tim in Tibet“ begann mit einer Schachpartie, während derer Tim wegdämmerte, um dann im Traum eine Bedrohung seines alten Freundes Chang zu imaginieren, die ihn sofort zu dessen Rettung nach Tibet aufbrechen ließ, wo er dann auf die Fabelfigur des Yetis stieß. Dieses Plagiat werden die „Asterix“-Autoren uns als große Hommage verkaufen wollen, es ist aber nicht mehr als eine große Einfallslosigkeit. Obwohl Hergé so doch noch zur Ruhe kommen könnte: weil Asterix sich am mythischsten aller „Tim“-Alben misst und damit den eigenen Mythos riskiert.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

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