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„Neue Frankfurter Schule“ : König Friedrich: Der Zeichner F. K. Waechter ist tot

Einer der bekanntesten Satiriker Deutschlands: F. K. Waechter Bild: AP

Er war Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule und der „Titanic“, bildete ein Dreigestirn mit Robert Gernhardt und F. W. Bernstein: Der Zeichner und Schriftsteller F. K. Waechter ist in Frankfurt gestorben. Er war der größte Satiriker von allen.

          Er konnte alles. Und er machte kein Aufhebens daraus. Er verschenkte seine Pointen, er verschenkte seine Bilder. Sein Verständnis von linker Politik war Engagement im besten Sinne: Man hilft sich, wo man kann. Er half überall.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Wer ihn um das Nachdruckrecht für eine Zeichnung bat, bekam es, und zwar gratis, wenn die Sache es wert war. In seiner Gegenwart fiel man einander nicht in den Rücken, und wenn es doch geschah, mahnte er leise, aber deutlich. Er war nicht belehrend, er war nicht verbittert, er war nicht eitel. Deshalb war Friedrich Karl Waechter der größte Satiriker von allen.

          Das war seine eigentliche Profession, doch sie beruhte auf mindestens drei Talenten: Er war ein grandioser Zeichner, er war ein famoser Dramatiker, er war ein brillanter Schriftsteller. Jede dieser Begabungen hätte für eine außergewöhnliche Karriere gereicht, aber Waechter war nicht der Typ fürs Rampenlicht. Einen Abend habe ich mit ihm verbracht, vor zwei Jahren bei Bernd Pfarr, seinem im letzten Jahr verstorbenen Freund. An diesem Abend wurde mir klar, daß eine weitere erstaunliche Kunst des F. K. Waechter in seiner Fähigkeit bestand, andere glänzen zu lassen, die sich ihm gegenüber wie kleine Lichter vorkommen mußten.

          Goethe - gesehen von Waechter

          Ein graphisches Genie

          Die eisgraue Lockenpracht und die hohe dürre Gestalt gaben ihm einen Dürer-Anschein, und wer seine Federzeichnungen sieht, kann nicht daran zweifeln, daß hier ein graphisches Genie am Werk war. Aber Waechter zielte nicht auf den Kunstmarkt, er zielte auf ein großes Publikum. Und auf die Kleinen darin. Seine Kinderbücher und -theaterstücke zählen zum Besten, was diese Disziplinen in Deutschland hervorgebracht haben. Allein die Titel aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Stellvertretend deshalb nur eine subjektive Auswahl der Allerschönsten: bei den Bilderbüchern „Wir können noch viel zusammen machen“, „Da bin ich“, die mit Bernd Eilert verfaßten „Kronenklauer“ und zuletzt, dem Sterben noch abgerungen, „Prinz Hamlet“, ein Buch, das sich eigentlich jeder Einordnung entzieht, so unendlich weit steht es über den Genres. Und von den Stücken seien nur genannt „Schule mit Clowns“, „Kiebich und Dutz“ und - eine weitere Shakespeare-Hommage auf Augenhöhe - „Armer Yorick“.

          Waechter war in den siebziger Jahren, die er mit seinem ersten Großerfolg, dem „Anti-Struwwelpeter“ eingeleitet hatte, ein Stammautor des Schauspiels Frankfurt, das damals von Peter Palitzsch bewußt antiautoritär geführt wurde. Er war auf Dauer nur dort zu halten, wo er seine Überzeugungen widergespiegelt sah, und sei es auch nur im kleinen Kollektiv wie bei der Satirezeitschrift „Pardon“, die er 1962 mitbegründet und deren berühmtes Signet, das höfliche Teufelchen, er entworfen hatte.

          Das neue Verständnis von Komik

          Dort schloß er sich mit Fritz Weigle alias F. W. Bernstein und Robert Gernhardt zu jenem Trio zusammen, aus dem später die „Neue Frankfurter Schule“ entstehen sollte. In der „Pardon“-Beilage „Welt im Spiegel“ wurde eine Form begründet, die mit Nonsens nur unzureichend beschrieben ist, denn es ist wenig Sinnvolleres in der Bundesrepublik geschaffen worden als dieses neue Verständnis von Komik, das gerade, weil es keine Scheu vor flachen Witzen und Tiefschlägen hatte, einen Höhenflug auslöste, dem noch heute das gesamte deutsche Kabarett müde hinterherflattert.

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