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Wittengenstein und Computer : Lauter logische Lesarten

Porträtaufnahme Ludwig Wittgensteins um das Jahr 1930 Bild: Picture-Alliance

War der Denker Ludwig Wittgenstein ein Computerprophet? Neu veröffentlichte Manuskripte stellen hochaktuelle Ideen zur Diskussion und zeigen, wie Wittgensteins Philosophie entstand.

          5 Min.

          In den Vorlesungen über die Philosophie der Mathematik, die Ludwig Wittgenstein 1939 zu Cambridge gehalten hat, wendet sich der Philosoph scharf gegen die Annahme, es gäbe „hinter“ der Wirksamkeit von Rechenvorschriften (nichts anderes sind ja etwa Computerprogramme) eine unsichtbare „logische Maschinerie“, die den Zahnrädern hinter dem Ziffernblatt einer mechanischen Uhr entspräche: „Im Vordergund sind nur die beiden Zeiger, die auf bestimmte Weise funktionieren, und diese Funktionsweise wird durch die Maschinerie im Hintergrund erklärt.“

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Mathematik ist im Gegensatz zu diesem Bild für den Wittgenstein jener Vorlesungen nicht die Benutzeroberfläche von etwas anderem, sondern eine eigenständige Ebene menschlicher Praxis der Welterschließung und Weltenkonstruktion. Gerade die begriffsmächtigste Philosophie der Mathematik nach Wittgensteins Tod, von Imre Lakatos über David Corfield bis zu Fernando Zalamea, hat sich in diesem Punkt mit ihm einig gezeigt und in solchem Geist weithin Abschied vom „logischen Reduktionismus“ genommen, den Wittgenstein damals in der Fachwelt vorfand, also von der Überzeugung, die formale Logik könne Bilder der fiktiven „Zahnräder“ liefern, deren Arbeitsweise vorgibt, was die mathematische Weltuhr geschlagen hat.

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