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Nach dem Heine-Preis-Skandal : Düsseldorfer Scherbenhaufen

„Selten auch verstand ich euch” - Heine-Porträt in der Düsseldorfer Kunsthalle Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

An diesem Mittwoch, dem Geburtstag des Dichters, hätte der Heine-Preis verliehen werden sollen. An Peter Handke, entschied eine Jury. Die Stadt war dagegen. Ein Skandal. Seitdem ist ein halbes Jahr vergangen - und nichts passiert.

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          An diesem Mittwoch ist der Geburtstag von Heinrich Heine. Kein runder, der 209. Und doch einer, den die Stadt Düsseldorf groß begehen wollte: mit der Verleihung des Heine-Preises, die „zugleich den würdigen Abschluß der Feierlichkeiten anläßlich des 150. Todestags“ bilden sollte, wie es in einer Pressemitteilung vom 23. Mai hieß. Warum es dazu nicht kommt, ist bekannt: Der „Handke-Skandal“ platzte dazwischen - und hinterließ einen Scherbenhaufen. Preis und Preisträger, Jury und Stadt wurden beschädigt.

          Andreas Rossmann
          Freier Autor im Feuilleton.

          So wird das Heine-Jahr in sehr viel kleinerem Kreis ausklingen: Im Heine-Institut werden die Germanisten Dietmar Goltschnigg und Hartmut Steinecke den ersten Band ihrer Wirkungsgeschichte „Heine und die Nachwelt“ vorstellen, Klaus Briegleb wird mit der Textcollage „Getrommelte Tränen“ den „in jeder Hinsicht politischen Schriftsteller“ konturieren. Aber was wird aus dem Preis, dessen Dotierung doch eigens zum Jubeljahr auf fünfzigtausend Euro verdoppelt wurde? Wird es ihn überhaupt weiter geben, und wer ist nach dem kulturpolitischen Debakel noch bereit, ihn anzunehmen oder, nachdem sie um ihre Unabhängigkeit gebracht wurde, seiner Jury anzugehören?

          Seitdem ist nichts geschehen

          Schon im Sommer, als die Wogen noch hochschlugen, wollte sich der Rat der Stadt mit der Frage befassen, doch seitdem ist nichts geschehen. Zwar ist für den Preis, da er alle zwei Jahre vergeben wird, erst 2008 wieder ein Träger zu finden, doch muß, um Verfahren und Statuten neu festzulegen, der Eklat aufgearbeitet werden. Im gerade erschienenen Heine-Jahrbuch geschieht das nicht. Während die „Ehrengabe“ an Alice Schwarzer dokumentiert wird, kommt der Eklat um Handke mit keiner Silbe vor: „Das lag nach unserem Redaktionsschluß“, erklärt Joseph A. Kruse, der Direktor des Heine-Instituts, und verspricht einen „Rekurs“ im nächsten Jahr. Aber auch die Universität, die seit 1989, nach jahrelangen, peinlich kleinkarierten Bedenken, den Dichter im Schilde führt, hat ihrer erklärten Bereitschaft dazu nicht entsprochen: Der zu einer Vorlesung „Poetik, Politik, Presse“ geladene Karl Heinz Bohrer ging auf den Kasus nicht ein, und die renommierte, nach Heine benannte Gastprofessur wurde zwar eigens für die Reihe „Was darf Kunst heute?“ auf vier Referenten verteilt, dem Thema gestellt aber hat sie sich bisher nicht.

          Pünktlich zum Geburtstag hat nun der Düsseldorfer Journalist Peter Jamin im Remscheider Gardez!-Verlag das Büchlein „Der Handke-Skandal“ vorgelegt. Doch seinem Anspruch, einen „schonungslosen Bericht“ und „verblüffende Erkenntnisse“ zu bieten, kann es nicht genügen: Wo es über eine kommentierte Zitatenlese hinausgeht, gefällt es sich in wutschnaubender Polemik. So muß Düsseldorf sein schwieriges Verhältnis zu seinem bedeutendsten Sohn, das doch Anfang des Jahres endlich entspannt schien, einmal mehr überdenken, nachdem es allzulange mit einem Zweizeiler aus der „Heimkehr“ im „Buch der Lieder“ treffend beschrieben schien: „Selten habt ihr mich verstanden, / Selten auch verstand ich euch.“

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