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Mohammed-Biographie : Phantasieren über Muhammad

War Mohammed Gründer der Mafia und Initiator des ersten Holocaust? Hamed Abdel-Samad schießt in seiner aktuellen Biographie des Propheten weit über das kritische Ziel hinaus.

          Hamed Abdel-Samad bleibt seinem Erfolgsrezept treu. Der ehemals fromme Muslim bedient mit einer weiteren scheinbar populärwissenschaftlichen Abhandlung die Angst vor dem Islam und leitet Wasser auf die Mühlen aller, die mit dem Islam lediglich Gewalt und Dschihad assoziieren. Er nennt sein jüngstes Buch „Mohamed. Eine Abrechnung“. Es ist ein subjektives Buch und eine persönliche Abrechnung - eines Mannes, der, wie er in einem früheren Buch schrieb, in seiner Kindheit von Muslimen vergewaltigt wurde. Selbst wenn er immer wieder betont, dass er als Forscher schreibe. Dazu aber hätte er die Quellen klarer benennen und sorgfältiger mit ihnen umgehen müssen, selbst nach den Standards populärwissenschaftlicher Darstellungen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          In einigem hat Abdel-Samad ja recht. Etwa wenn er kritisiert, dass viele Muslime die Zeit des frühen Islams als „Blaupause für ein ideales, Allah-gefälliges Leben“ verstünden, dass einige dem Vorbild ihres Propheten blind nacheiferten und versuchten, die Urgemeinde von Medina so weit wie möglich wiederherzustellen, dabei aber den Koran und Muhammads Leben nicht aus dem historischen Kontext heraus interpretierten, sondern das im 7. Jahrhundert Geschehene vielmehr zur „Richtlinie und Handlungsaufforderung für alle Zeiten“ erhöben.

          Plausibel ist auch, wenn Abdel-Samad nachzeichnet, welche jüdischen und christlichen Traditionen in den Islam eingeflossen sind. Nachvollziehbar sind zudem die Passagen über den Koran als „ein widersprüchliches Buch“, das in den frühen Suren aus Mekka Frieden predigt, dann in den späteren Suren aus Medina Gewalt rechtfertigt. Islamische Theologen verweisen zwar darauf, dass der Islam in Etappen entstanden sei und der Kontext Widersprüche aufhebe. Nachvollziehbar bleibt dennoch Abdel-Samads Schlussfolgerung, dass dies den Koran als moralische Orientierungshilfe für das 21. Jahrhundert disqualifiziere.

          Kein Vorbild im Umgang mit Frauen

          Recht hat Abdel-Samad auch mit seiner Beobachtung, dass viele Muslime, die sich am Vorbild ihres Propheten orientieren, meinten, der Glaube erfülle sich allein in der Nachahmung des Propheten auf Schritt und Tritt und im Befolgen von Regelungen über „die banalsten Sachen des Alltags“. Am wenigstens als Vorbild taugt zudem Muhammads Umgang mit den Frauen, auch das arbeitet Abdel-Samad ordentlich heraus. Zwar hätte Muhammad kaum so schnell so viele Anhänger gefunden, wenn er Dinge getan hätte, die im Kontrast zu seiner Zeit gestanden hätten. Doch wer jedem seiner Anhänger vier Frauen zugestand, selbst aber dreizehn Frauen ehelichte und dabei mit neun Frauen gleichzeitig verheiratet war - darunter mit der sechsjährigen Aischa, die beim Vollzug der Ehe neun Jahre alt war -, konnte auch damals nicht Vorbild gewesen sein.

          Da nun beginnen die Ungereimtheiten. Abdel-Samad schreibt, Muhammad habe sechs Kinder gehabt, die er möglicherweise aber nicht gezeugt habe. Und er zitiert aus dem Koran, ein Mekkaner habe den Propheten „abtar“ genannt, was Abdel-Samad als „kinderlos beziehungsweise impotent“ übersetzt. Das Wort „abtar“ bedeutet jedoch, dass der Name einer Person, die keine männlichen Nachkommen hat, ausstirbt - und Muhammad hatte keinen Sohn, der ihn überlebte. Immerhin erhielten die gemeinsamen Kinder mit seiner Frau Fatima die Ehrentitel „Scherifen“ und „Sayyids“.

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