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Mohammed-Biographie : Phantasieren über Muhammad

Dem Autor geht die Phantasie durch

Gerade im Kapitel über Muhammads Verhältnis zu den Frauen geht Abdel-Samad zuweilen die Phantasie durch. Gern wüsste man, woher er etwa die ausgeschmückte Geschichte hat, in der Muhammad im Zimmer seiner Frau Hafsa mit seiner christlichen Sklavin Maria Geschlechtsverkehr hatte und darauf seine wichtige Frau Aischa ihn mit eifersüchtigem Furor zur Rede stellte. Abdel-Samad tut so, als gebe es gesicherte Erkenntnisse zu Muhammads Leben; die gibt es kaum. Offenbar nimmt er aber phantasievoll ausgeschmückte Prophetengeschichten für bare Münze.

Zu den Geschichten, die wohl der Phantasie entspringen, gehören auch jene über Muhammads Großvater und Vater sowie die Episode, wie Khadidscha ihren Vater betrunken machte, damit er ihrer Heirat mit dem fünfzehn Jahre jüngeren Muhammad zustimmte. Insbesondere aber auch, wenn Abdel-Samad schreibt, dass „man vermuten“ könne, Muhammads Mutter Amina sei mit dessen Vater Abdallah „lediglich eine begrenzte und bezahlte Form mit dem Ziel des Beischlafs eingegangen“, sie sei also, so muss der Leser verstehen, eine Prostituierte gewesen.

Überhaupt, der lässige Umgang mit den Quellen. Meist stützt sich Abdel-Samad auf Sekundärquellen, und wie oft sind sie nicht nachvollziehbar! Wiederholt zitiert Abdel-Samad aus der Sammlung der Aussprüche und Handlungen Muhammads („Hadithe“) des Muhammad al-Bukhari (810 bis 870), die die meisten Muslime akzeptieren. Aber er gibt nicht an, auf welche Ausgabe er sich bezieht. Von Bukhari sind mehrere Hadith-Sammlungen in Umlauf: Die einen lassen „schwache“ Hadithe weg, deren Überlieferungen als nicht überzeugend gelten und die erfunden sein können; andere führen auch diese Hadithe auf. Nur bedingt als Quelle für Historizität taugt auch die Muhammad-Biographie von Muhammad Ibn Ishaq (704 bis 768), die als Erbauungsliteratur eine Ansammlung von Geschichten über den Propheten ist, von denen wahrlich nicht alle wahr sein müssen.

Fragwürdig bis falsch

Vieles in dem Buch ist schlicht fragwürdig, wenn nicht geradewegs falsch. Etwa wenn Abdel-Samad schreibt, dass die arabische Schrift zur Zeit Muhammads nur fünfzehn Buchstaben gekannt habe. Dagegen spricht die vorislamische Gedichtsammlung der Muallaqat; vielleicht meint Abdel-Samad, dass die diakritischen Punkte einiger Buchstaben weggelassen wurden und damit Wörter mehrdeutig sein konnten. Das ist aber etwas anderes.

Oder wenn er schreibt, Muhammad sei bei seinem Stamm wenig angesehen gewesen und daher nicht bei seiner Mutter aufgewachsen, sondern zu fremden Beduinen weggegeben worden. Dabei müsste auch der Ägypter Abdel-Samad wissen, dass es auf der Arabischen Halbinsel üblich - und nicht sozial verwerflich - war, Kinder zum Stillen Frauen mit Kindern im selben Alter zu geben. Ein Beispiel für Abdel-Samads ärgerlichen Umgang mit den historischen Fakten ist seine Darstellung der Kopfsteuer Dschisya. So sollen die neuen Untertanen die Wahl zwischen Konversion, Kopfsteuer oder Tod gehabt haben. Die frühen Muslime hatten auf ihren Eroberungszügen jedoch wenig Interesse daran, dass die Unterworfenen zum Islam konvertierten. Die Einnahmen der Dschisya waren ihnen zur Finanzierung ihrer Eroberungen wichtiger.

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